Die Wissenschaftlerin sieht in den Studien folglich auch eine Chance, neue Erkenntnisse zum Gesundheitsschutz im Arbeitsleben zu gewinnen. Bereits beim heutigen Stand der Forschung erscheint es ihr notwendig, Freizeit- und Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass Abkühlung möglich ist. „Und zwar bestenfalls umweltfreundlich, etwa indem neben klimatisierten Orten auch neue Orte geschaffen werden, die durch Beschattung, Begrünung und Wasserflächen auch an heißen Tagen nutzbar sind.“ Das sei zudem wichtig, um Rausgehen zu fördern und Einsamkeit vorzubeugen in einer Zeit, in der besonders viele Feste und Feiern stattfinden – und Gesellschaft Not tun kann, etwa nach einem Arbeitstag im Homeoffice.
Der Sommer 2026 scheint da, bislang zumindest, prädestiniert für weitere Forschungen zu sein. In einer Folgestudie untersucht das Team derzeit, ob sich die Risikowahrnehmung von Hitzebelastungen im Tagesverlauf verändert und ob gezielte Informationen Menschen dazu motivieren können, rechtzeitig Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Hierfür werden aktuell 539 Teilnehmende an 14 Tagen im Sommer, an denen das Thermometer über 25 Grad klettert, befragt. Geprüft wird unter anderem, ob und wie die Art der Kommunikation das Schutzverhalten kurzfristig beeinflusst.
Auch beim Hitzeschutz am Arbeitsplatz sieht Dr. Hannah Wallis noch Forschungsbedarf: „Es wäre wichtig, Studien wie unsere für spezifische Arbeitsverhältnisse durchzuführen, um im Detail zu erfahren, wo die größten Belastungen an einem Arbeitsplatz liegen und wie Hitzeschutzverhalten gut gefördert werden kann.“ Risikokommunikation werde vermutlich auch hier einen großen Stellenwert einnehmen. Wichtig sei aber, die Arbeitsumgebungen bereits jetzt an hohe Temperaturen anzupassen.
Wie relevant das Thema ist, unterstreichen die Unikliniken mit einigen Zahlen. So sterben in Europa jährlich mehr als 60.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen. Für Deutschland prognostizieren Schätzungen bis Ende des Jahrhunderts einen Anstieg auf 12.000 bis 42.000 jährliche hitzebedingte Todesfälle. Die richtige Ansprache im richtigen Moment könnte den Forschenden zufolge einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, diese Zahlen zu senken.