Studie

Hitze lässt uns leiden

Ein Forschungsprojekt untersucht, wie hohe Temperaturen das psychische und körperliche Wohlbefinden von Menschen beeinflussen. Aus den Erkenntnissen könnten sich auch neue Ansätze für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ergeben.

„SWEATR“ nennt sich ein gemeinsames Forschungsprojekt der Unikliniken Magdeburg und Heidelberg. Der Name lässt erahnen: Es geht um die Auswirkungen schweißtreibender Temperaturen. Und die Ergebnisse einer ersten Teilstudie sind bemerkenswert: Im Sommer 2025 waren 183 Personen an heißen Tagen je viermal befragt wurden. Ihren Aussagen zufolge steigt schon bei Temperaturen von mehr als 25 Grad die Wahrscheinlichkeit, ängstliche oder depressive Symptome zu entwickeln. Besonders gefährdet scheinen psychisch und körperlich vorbelastete Menschen.

Eine weitere Erhebung ging zudem der Frage nach, warum manche Menschen bei Hitze gezielt vorbeugende Maßnahmen ergreifen und andere nicht. Hierfür wurden 1.803 Erwachsene in Deutschland befragt. „Wie sehr Menschen sich vor Hitze zu schützen versuchen, also zum Beispiel kühle und schattige Orte aufsuchen und viel trinken, scheint von einigen inneren Prozessen abzuhängen“, berichtet Studienleiterin Dr. Hannah Wallis, Juniorprofessorin an der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Magdeburg. Etwa, ob sie Hitze als Risiko wahrnehmen und negative Belastungen mit ihr verbinden: „Sonnenstunden haben schließlich auch etwas Schönes, sie erinnern an Urlaub.“

Ein weiterer Faktor bei der Vorbeugung ist, ob Menschen das Gefühl haben, sich überhaupt selbst vor der Hitze schützen zu können. Manche seien aufgrund von Erkrankungen kaum mobil, müssten aber in heißen Wohnungen leben oder trotz hoher Temperaturen zu einer Behandlung, erklärt Dr. Hannah Wallis. Andere müssten an Orten arbeiten, an denen sich Temperaturen nicht senken lassen.

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Vorbeugen gegen Hitze – und Einsamkeit

Die Wissenschaftlerin sieht in den Studien folglich auch eine Chance, neue Erkenntnisse zum Gesundheitsschutz im Arbeitsleben zu gewinnen. Bereits beim heutigen Stand der Forschung erscheint es ihr notwendig, Freizeit- und Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass Abkühlung möglich ist. „Und zwar bestenfalls umweltfreundlich, etwa indem neben klimatisierten Orten auch neue Orte geschaffen werden, die durch Beschattung, Begrünung und Wasserflächen auch an heißen Tagen nutzbar sind.“ Das sei zudem wichtig, um Rausgehen zu fördern und Einsamkeit vorzubeugen in einer Zeit, in der besonders viele Feste und Feiern stattfinden – und Gesellschaft Not tun kann, etwa nach einem Arbeitstag im Homeoffice. 

Der Sommer 2026 scheint da, bislang zumindest, prädestiniert für weitere Forschungen zu sein. In einer Folgestudie untersucht das Team derzeit, ob sich die Risikowahrnehmung von Hitzebelastungen im Tagesverlauf verändert und ob gezielte Informationen Menschen dazu motivieren können, rechtzeitig Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Hierfür werden aktuell 539 Teilnehmende an 14 Tagen im Sommer, an denen das Thermometer über 25 Grad klettert, befragt. Geprüft wird unter anderem, ob und wie die Art der Kommunikation das Schutzverhalten kurzfristig beeinflusst.

Auch beim Hitzeschutz am Arbeitsplatz sieht Dr. Hannah Wallis noch Forschungsbedarf: „Es wäre wichtig, Studien wie unsere für spezifische Arbeitsverhältnisse durchzuführen, um im Detail zu erfahren, wo die größten Belastungen an einem Arbeitsplatz liegen und wie Hitzeschutzverhalten gut gefördert werden kann.“ Risikokommunikation werde vermutlich auch hier einen großen Stellenwert einnehmen. Wichtig sei aber, die Arbeitsumgebungen bereits jetzt an hohe Temperaturen anzupassen.

Wie relevant das Thema ist, unterstreichen die Unikliniken mit einigen Zahlen. So sterben in Europa jährlich mehr als 60.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen. Für Deutschland prognostizieren Schätzungen bis Ende des Jahrhunderts einen Anstieg auf 12.000 bis 42.000 jährliche hitzebedingte Todesfälle. Die richtige Ansprache im richtigen Moment könnte den Forschenden zufolge einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, diese Zahlen zu senken. 

Autor des Artikels

Autorenbild David Schahinian

David Schahinian

Der freie Journalist David Schahinian arbeitet seit 2010 für Tageszeitungen, Fachverlage, Verbände und Unternehmen. Er berichtet vorwiegend über Technik- und Personalthemen sowie über Betriebsratsarbeit und Arbeitsrecht.

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