Hohe Ansprüche an die eigene Arbeit sind zunächst nichts Schlechtes. Problematisch wird es, wenn aus Ehrgeiz Perfektionismus wird. Dr. Nathalie Claus, Psychologische Psychotherapeutin an der Universität Bremen, erklärt den Unterschied am Beispiel Hochsprung: Wer realistisch ehrgeizig sei, setze sich hohe, aber erreichbare Ziele – etwa eine Medaille im Wettkampf. Misserfolge seien ärgerlich, hätten aber keine Folgen für den Selbstwert.
Perfektionismus dagegen bedeute, unerreichbare Ziele anzustreben. „Konkret bedeutet das bei unserem Beispiel zum Hochsprung: Ich darf in meinem Training bis zum Hochsprung-Wettbewerb kein einziges Mal die Latte reißen“, sagt Claus. Häufig gehe das mit Angst vor Fehlern einher. Betroffene mieden Herausforderungen entweder ganz – oder stellten sich ihnen, obwohl sie ihren eigenen Standards kaum gerecht werden könnten.
Prof. Dr. Thomas Rigotti, Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, sieht das entscheidende Merkmal in der fehlenden Flexibilität: Werde jede kleine Abweichung vom selbst gesetzten Ideal als Fehler gewertet, könne man von ungesundem Perfektionismus sprechen.