Was kann die Wissenschaft im Gegenzug von Betriebsräten lernen?
Prof. Dr. Peter Wedde: Oft sind es Betriebsräte, die als erste feststellen, dass es Veränderung in der Führungskultur gibt, dass gesetzliche Schutzmechanismen unterlaufen werden oder dass Arbeitgeber aktuelle Gerichtsentscheidungen einseitig zu ihren Gunsten interpretieren. Dieses Praxiswissen ist insbesondere im kollektivrechtlichen Bereich eine wichtige Grundlage für die wissenschaftliche Analyse von Regelungsdefiziten und der hierauf aufbauenden Erarbeitung von belastbaren Lösungen, die Rechte von Betriebsräten und Beschäftigte wahren und stützen.
Was sind die Voraussetzungen für einen effizienten Dialog?
Prof. Dr. Peter Wedde: Ein effizienter Dialog zwischen Betriebsräten und Wissenschaftlern setzt voraus, dass ein Austausch „auf Augenhöhe“ stattfindet. Wissenschaftler müssen dafür eine Sprache verwenden, die alle verstehen. Betriebsräte müssen beachten, dass Wissenschaft im arbeitsrechtlichen Bereich zwar keine schnellen Wunder vollbringen kann, dass sie aber die Lösung praktischer Probleme mittelfristig wirksam unterstützen kann. Ziel muss es sein, gemeinsam Unterstützungsangebote zu entwickeln, die tatsächlich in den Betrieben ankommen und von Betriebsräten wie von Beschäftigten dort als hilfreich wahrgenommen werden.
Das Interview führte Christof Herrmann