Betriebsrat Brose Fahrzeugteile SE & Co. KG, Würzburg
Nominiert 2026
Das aktuelle Brose-Gremium 2026
Das Projekt in Stichworten
- Betriebsrat erhielt völlig überraschend die Mitteilung zur geplanten Standortschließung.
- Gremium startete eine breit angelegte Kampagne, um Neuausrichtung und Zukunftsperspektiven für die Mitarbeitenden zu erarbeiten.
- Unternehmen zog in der Folge Schließungspläne zurück und erweiterte außerdem seine Geschäftsbereiche um die Zulieferung für die Luft- und Raumfahrtindustrie.
Kurzbeschreibung
Die Hiobsbotschaft erreichte den Betriebsrat Anfang Februar 2025: Da informierte die Eigentümerfamilie der Brose-Gruppe ihn über den Plan, den Standort Würzburg zu schließen. Brose ist ein international agierendes Unternehmen, das Produkte und Bauteile für alle großen Automobilhersteller entwickelt und herstellt. „Uns war klar: Wir müssen die Schließung verhindern. Dabei wollten wir nicht nur protestieren, sondern mit konstruktiven Vorschlägen die Zukunft unseres Werkes mit rund 1.400 Beschäftigten sichern“, sagt Yves Weinberger, Betriebsratsvorsitzender in Würzburg und Mitglied des IG Metall-Ortsvorstands. Bei einer außerplanmäßigen Betriebsversammlung erteilte die Belegschaft dem Betriebsrat das Mandat für ein abgestuftes Vorgehen. „Uns ging es darum, neue Wege zu gehen. Dazu suchten wir nach dem Schulterschluss mit der Belegschaft – auch mit Unterstützung der IG Metall – den Kontakt zur Kommunalpolitik, zur Wissenschaft und zur Öffentlichkeit.“
Die zentrale Idee war, zusätzlich zum Kerngeschäft neue Produkte für das Werk zu finden. Dafür gab es Rückenwind aus der Politik. „Wir hatten viele Unterstützer, und so öffneten sich mit jedem Kontakt weitere Türen. Auch die Unternehmensleitung mochte sich den Vorschlägen nicht verweigern.“ Künftig wird Brose am Standort nicht nur wie bisher Antriebskomponenten für Fahrzeuge herstellen, sondern sich zum Zulieferer für die Luft- und Raumfahrtindustrie entwickeln, resümiert Yves Weinberger. „Aus dem Hochschulbereich kamen gute Impulse, innovative Start-ups, denen der Zugang zu Produktionsmöglichkeiten fehlt, mit uns zusammenzubringen, die über diese Mittel verfügen.“ Die Schließung ist bis mindestens 2031 vom Tisch. Dafür liegen Verträge über Kooperationsprojekte aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt vor. Ein „Sieg auf der ganzen Linie“ sei das, findet der Betriebsratsvorsitzende und stellt klar, dass „wir dem Unternehmen eine nachhaltige Perspektive eröffnet haben“.
Schließungspläne nicht nur abgewendet, sondern neue Perspektiven für das Unternehmen eröffnet. Die Belegschaft von Beginn an aktiv eingebunden und auf breite Öffentlichkeit und Beteiligung gesetzt – hier hat der Betriebsrat vorbildlich agiert und gezeigt, was Mitbestimmung im Unternehmen leisten kann.
Prof. Dr. Olaf Deinert, Universität Göttingen