Schwerbehindertenvertretung Körber Technologies GmbH, Hamburg
Nominiert 2026

Die Vertreter Schwerbehindertenvertretung Körber (v.l.n.r.): Carsten Schmela (Vertrauensperson), Philipp Kluge und Daniel Hornei von den ELBE-Werkstätten, Ali Bicer (Schwerbehindertenvertreter)
Das Projekt in Stichworten
- Aufbau eines flexiblen, offenen Inklusionssystems, das Menschen mit Schwerbehinderung nach ihren individuellen Fähigkeiten in das Arbeitsleben integriert.
- System ermöglicht verschiedene Wege der Teilhabe
- Ein zentraler Ansatz ist dabei, dass jeder Mensch einen passenden Zugang findet. Die Schwerbehindertenvertretung übernimmt die Rolle der Strukturgeberin und dauerhaften Begleiterin.
Kurzbeschreibung
Die Arbeit in Werkstätten für behinderte Menschen ist schlecht bezahlt und für viele der Betroffenen keine Alternative zu einem betrieblichen Arbeitsplatz. Die Schwerbehindertenvertretung des Maschinenbauers Körber Technologies in Hamburg-Bergedorf hatte die Idee, Menschen aus solchen Werkstätten in den Betrieb zu holen, und entwickelte einen ganzen Strauß an Zugängen zur Arbeitswelt.
Am Anfang steht ein Glücksfall: die Zusammenarbeit mit den Elbe-Werkstätten und die seit 2020 entwickelten „DUOdays“ in der Hansestadt, bei denen schwerbehinderte Menschen einen Tag lang Einblick in betriebliche Abläufe erhalten. „Inzwischen können wir Menschen mit unterschiedlichen Anforderungen vielfältige Angebote machen“, erläutert Carsten Schmela, Schwerbehindertenvertreter in dem Unternehmen mit rund 2.200 Beschäftigten am Standort. Seit 2023 läuft das Inklusionsprojekt, und seitdem haben sich etliche behinderte Menschen im Betrieb an DUOdays, bei Praktika, in ausgelagerten Arbeitsgruppen und auf unterschiedlichen Arbeitsplätzen erproben können. Geduld ist nötig, um für die einzelnen die am besten geeignete Tätigkeit zu finden. Aber es lohnt sich. „Mittlerweile haben auf diesem Weg mehrere Menschen im Betrieb nach IG Metall-Tarif bezahlte Stellen erhalten – in der Poststelle, im Wareneingang, im Schraubenlager.“
Noch sind die Arbeitsverhältnisse bei den Elbe-Werkstätten angesiedelt, doch gibt es eine Perspektive für die Übernahme durch Körber Technologies. Carsten Schmela: „Für die Betroffenen ist das alles ein riesiger Schritt. Die Möglichkeit, sich aus den Behindertenwerkstätten zu lösen, wird als beglückend empfunden.“ Das Selbstvertrauen wächst ebenso wie die persönlichen Fähigkeiten. Mancher hat sogar den Mut gefunden, sich auf externe Arbeitsplätze zu bewerben. Wichtig sei dabei, so die Vertrauensperson, zu erkennen, „dass Inklusion erfolgreich ist, wenn sie als offenes, wachsendes System mit verschiedenen individuellen Wegen verstanden wird“.
Die Schwerbehindertenvertretung verfolgte konsequent ihr Ziel, einen flexiblen und offenen Prozess zu schaffen, der Menschen mit Schwerbehinderung individuell in das Arbeitsleben integriert. Entstanden ist so ein nachhaltiges Inklusionssystem, das echte Teilhabe ermöglicht. Hut ab vor dieser Leistung!
Thomas Fischer, DGB