Cyberattacken machen Unternehmen zu schaffen
Angriffe ausländischer Nachrichtendienste auf Unternehmen sind keine Seltenheit mehr. Besonders Cyberattacken mit Unterstützung von KI könnten in Zukunft große finanzielle Schäden verursachen.
Angriffe ausländischer Nachrichtendienste auf Unternehmen sind keine Seltenheit mehr. Besonders Cyberattacken mit Unterstützung von KI könnten in Zukunft große finanzielle Schäden verursachen.

Rund 37 Prozent der deutschen Unternehmen, die in den letzten zwölf Monaten von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage betroffen waren, können mindestens einen dieser Angriffe auf fremde Nachrichtendienste zurückführen. Insgesamt waren 96 Prozent der deutschen Unternehmen von entsprechenden Angriffen betroffen. Die dadurch entstehenden Schäden belaufen sich auf bis zu 270,8 Milliarden Euro jährlich, wobei Cyberattacken mit 205,8 Milliarden Euro den größten Anteil ausmachen.
Besonders häufig lassen sich die Spuren nach China (52 Prozent) oder Russland (49 Prozent) verfolgen. Das zeigen Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von circa 1000 Unternehmen ab zehn Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.
Auch wenn fast jedes Unternehmen angegeben hat, von Angriffen betroffen zu sein, konnten nur 67 Prozent dies mit Sicherheit feststellen. Im Jahr zuvor waren das noch 87 Prozent. Hier lässt sich also ein deutlicher Rückgang erkennen. Genauso steigt der Anteil derer, die einen Angriff vermuten, von zehn Prozent im letzten auf 29 Prozent in diesem Jahr.
Insgesamt scheint die Bedrohungslage greifbar zu sein: Der Großteil der Unternehmen fühlt sich von analogen oder digitalen Angriffen bedroht: 28 Prozent empfinden die Bedrohung als „sehr groß“ und 45 Prozent sehen eine „eher große Bedrohung“. Währenddessen halten nur jeweils 13 Prozent die Bedrohung für „sehr gering“ oder sehen „gar keine Bedrohung“.
60 Prozent der Unternehmen berichten von Diebstahl von IT- oder Telekommunikationsgeräten oder haben diese Vermutung. Rund 37 Prozent beklagen sich über gestohlene physische Dokumente, Muster oder Bauteile. Weitere 33 Prozent geben an, vor Ort oder in Besprechungen abgehört zu werden, und 23 Prozent berichten von physischer Sabotage von Produktionssystemen oder Betriebsabläufen.
Die Mehrheit der Angriffe findet jedoch digital statt: 57 Prozent geben an sicher oder vermeintlich von digitaler Sabotage betroffen zu sein. Meistens bleiben Angriffe aber nicht nur auf ein Unternehmen beschränkt, oft betreffen Auswirkungen, etwa Produktionsausfälle, auch Geschäftspartner, die die Konsequenzen genauso spüren.
Besonders häufig lässt sich die Tätergruppe auf organisierte Kriminalität zurückführen: 62 Prozent der von Diebstahl betroffenen Unternehmen konnten die Tat dorthin zurückführen. Laut Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst liegt dies auch daran, dass die Grenzen zwischen Kriminalität und Geheimdiensten in vielen Ländern fließend sind. .
Auch Cyberangriffe sind weiterhin ein relevantes Problem: 63 Prozent der Unternehmen registrierten im vergangenen Jahr eine Zunahme von Cyberattacken. 69 Prozent erwarten, dass die Angriffe in den kommenden zwölf Monaten weiter zunehmen werden.
Dabei spielt zunehmend künstliche Intelligenz eine Rolle. 82 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass Angreifer verstärkt KI einsetzen. Schäden durch automatisierte Robo Calls stiegen von drei auf 14 Prozent, Schäden durch Deepfakes von vier auf acht Prozent.
Trotz der steigenden Anzahl von Angriffen stagniert der Anteil der IT-Sicherheit am gesamten IT-Budget bei 18 Prozent, wie im Vorjahr. Wintergerst spricht sich hier für stärkere Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen aus: „IT-Sicherheit betrifft jedes Unternehmen, ausreichende Investitionen sind unerlässlich. Unternehmen dürfen es nicht darauf ankommen lassen, dass ihnen nichts passieren wird.“