Gabi, deren Nachname und Arbeitgeber hier nicht genannt werden sollen, ist kein Einzelfall. Mitglieder von Interessenvertretungen geraten derzeit vermehrt in vergleichbare Situationen: Unternehmen planen Umstrukturierungen – teilweise mit Personalabbau –, die sich erheblich auf die Belegschaften auswirken, und teilen der Interessenvertretung nichts Konkretes mit. In der Folge finden sich Betriebsräte und ihre Mitglieder in einer Zwickmühle wieder, denn Beschäftigte erwarten an dieser Stelle Aufklärung und Kampfgeist von ihren Interessensvertretungen.
Wie kommt man als Gremium aus dieser Zwickmühle heraus? Dazu lohnt sich der Blick auf die Rolle von Kommunikation in Veränderungsprozessen. Denn Kommunikation ist der wichtigste Kernbaustein, damit Organisationen funktionieren. Gebäude, Logos, Organigramme, Produkte: All das existiert nur, weil Menschen miteinander reden, schreiben, entscheiden. Und eine Umstrukturierung ist kein reiner Umbau von Organigrammen, sondern eine massive Störung eingespielter Kommunikationsmuster.
Klar, dass das beängstigend ist: Vertrautes hinter sich lassen, Kolleginnen und Kollegen verlieren, Neues Lernen? Schaffe ich das? Will ich das? Habe ich eine Wahl? Eine gute Change-Kommunikation nimmt diese psychologische Realität der Beschäftigten ernst und schafft einen Rahmen, in dem die Veränderung sinnvoll wird, ohne dass sie ihre Identität oder Vergangenheit aufgeben müssen. In der Psychologie sagen wir Kohärenzerleben dazu: Menschen brauchen stimmige Erklärungen und eine gewisse Vorhersehbarkeit, um sich sicher zu fühlen. Fehlt das, entsteht Angst. Informationslücken verunsichern und werden mit Gerüchten gefüllt.
Genau das ist in Gabis Organisation passiert. Hier sind Infos „durchgesickert“ und haben ihre ganz eigene Dynamik erzeugt. Häufig passiert nach unserer Beobachtung dann das, was niemand wollte. Die interne Stimmung kippt, Vertrauen geht verloren, Beschäftigte mit viel Knowhow verlassen den Betrieb, weil sie dessen Perspektive als unsicher erleben.
Solche Unsicherheit könnte prozessorientierte und klare Kommunikation durch den Betriebsrat vermeiden helfen: Ängste ernst nehmen, Termine mit dem Management zur Klärung der Fragen einfordern, anschließend Statement an die Belegschaft. Doch um in Krisensituationen Vertrauen vermitteln zu können, muss der Betriebsrat selbst das Vertrauen der Führung haben.