Wirtschaft & Arbeitsmarkt

Autofrei zum Arbeitsplatz: So kann es funktionieren

Am 22. September findet europaweit der alljährliche „Autofreie Tag“ statt. Er soll dazu animieren, alternative Verkehrsmittel dem Auto vorzuziehen. Für viele Pendler scheinbar keine Option – zumindest laut Statistik.  

Ob mit dem Auto, Bus und Bahn, dem Fahrrad oder zu Fuß – für viele Beschäftigte in Deutschland ist der tägliche Weg zur Arbeit ein fester Bestandteil ihres Alltags. Der „Autofreie Tag“ soll dabei auf klimafreundliche und nachhaltige Formen der Mobilität aufmerksam machen. Er bildet den Höhepunkt der Europäischen Mobilitätswoche, die in diesem Jahr vom 16. bis zum 22. September stattfindet.  

Verschiedene Kampagnen und Projekte in ganz Europa setzen sich dabei für eine nachhaltigere Mobilität und einen geringeren Autoverkehr ein. Rund 3.000 Städte und Gemeinden beteiligen sich an der Aktion. Sie sperren unter anderem zeitweise Straßen für den Autoverkehr und schaffen damit mehr Raum für Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr. In Berlin werden beispielsweise insgesamt 42 Straßenabschnitte gesperrt und teilweise als Spielstraßen ausschließlich für Fußgänger nutzbar gemacht.

Der Aktionstag lenkt damit den Blick auf die Frage, wie wir uns im Alltag fortbewegen – und insbesondere darauf, welchen Stellenwert das Auto auf dem täglichen Weg zur Arbeit einnimmt. Wie viele Beschäftigte tatsächlich das Auto für ihren Arbeitsweg nutzen, zeigt die Mobilitätsbefragung „PendlerRatD-Studie" der Hochschule Heilbronn, in der mehr als 4.300 Personen zwischen März und September 2022 bezüglich ihres Pendelverhaltens befragt wurden. Neure Zahlen werden derzeit erhoben.  

Auto bleibt weiterhin Nummer 1

Doch wie sieht das Pendelverhalten insgesamt aus? Mit 62 Prozent war das Auto das mit Abstand am häufigsten genutzte Verkehrsmittel. 19 Prozent der Befragten fuhren mit dem Fahrrad zur Arbeit. Neun Prozent nutzten den öffentlichen Personennahverkehr, während sechs Prozent verschiedene Verkehrsmittel miteinander kombinierten. Zwei Prozent gingen zu Fuß und lediglich ein Prozent nutzte den Fernverkehr der Bahn.

Auch bei den zurückgelegten Strecken zeigen sich Unterschiede zwischen den Verkehrsmitteln. Die längsten Arbeitswege legten mit knapp 30 Kilometern diejenigen zurück, die verschiedene Verkehrsmittel miteinander kombinierten. Dicht dahinter folgten die Autofahrer mit rund 26 Kilometern. Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei der Pendeldauer: Während Fahrradfahrer im Durchschnitt 27 Minuten für ihren Arbeitsweg benötigten, waren Autofahrer mit 31 Minuten nur geringfügig länger unterwegs. Deutlich mehr Zeit benötigten dagegen Beschäftigte, die den öffentlichen Nahverkehr nutzten oder verschiedene Verkehrsmittel kombinierten. Ihre Arbeitswege dauerten im Durchschnitt 47 beziehungsweise 48 Minuten.

Auto gleich zufriedener?

Doch nicht nur Entfernung und Dauer spielen bei der Wahl des Verkehrsmittels eine Rolle. Auch die Frage, was Pendler von ihrem täglichen Arbeitsweg erwarten, ist entscheidend.

Ein einfacher und unkomplizierter Arbeitsweg, der schnell ist und gleichzeitig Flexibilität ermöglicht, war den Befragten besonders wichtig. Auch Unabhängigkeit und persönliches Wohlbefinden spielten eine große Rolle. Kosten-, Umwelt- und Gesundheitsaspekte wurden hingegen als weniger wichtig bewertet. Ähnliches gilt für Unterhaltung und Privatsphäre.

Bei der Zufriedenheit zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Insgesamt waren die Radfahrer mit ihrem Arbeitsweg am zufriedensten. Sie schätzten insbesondere die positiven Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit sowie die geringeren Kosten. Auch hinsichtlich der zeitlichen Flexibilität und der Möglichkeit, unabhängig unterwegs zu sein, bewerteten sie das Fahrrad positiv. Beim Komfort konnte dagegen das Auto besser abschneiden. In den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Kosten fiel die Bewertung des Autos im Vergleich zum Fahrrad deutlich schlechter aus. 

Fahrrad statt Auto?

Das Fahrrad zeigt sich damit als beliebte Alternative zum Auto. 51 Prozent der Befragten konnten sich vorstellen, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Auch unter denjenigen, die derzeit den öffentlichen Personennahverkehr nutzen, bestand großes Interesse: 48 Prozent konnten sich einen Umstieg auf das Fahrrad vorstellen.

Doch zwischen dem Wunsch nach einem Umstieg und der tatsächlichen Umsetzung liegen einige Hürden. Neben einer unzureichenden Infrastruktur spielen vor allem längere Wege und ein höherer Zeitaufwand eine Rolle. Neue Technologien wie E-Bikes könnten dabei helfen, diese Hürden zu verringern, und auch längere Arbeitswege mit dem Fahrrad attraktiver zu machen. Damit ein solcher Umstieg gelingt, kommt es allerdings nicht allein auf die Beschäftigten an, denn auch Arbeitgeber können die Rahmenbedingungen verbessern. 

Was können Arbeitgeber tun?

Rund 67 Prozent der Befragten wünschen sich bessere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, die nah zum Arbeitsplatz und vor Witterung geschützt sind. Auch über mehr Dusch- und Waschmöglichkeiten sowie Umkleiden am Arbeitsort würden sich 61 Prozent der Befragten freuen. Zudem sind mehr finanzielle Unterstützung seitens des Arbeitsgebers gewünscht: Die Hälfte der Befragten würden sich über mehr monetäre Anreize zur Fahrradbenutzung, Radleasingangebote und mehr Lademöglichkeiten für E-Bikes freuen. Weitere 44 Prozent sprechen sich für eine Mitnahme im Öffentlichen Verkehr aus.  

Wie die Unterstützung durch den Arbeitgeber konkret aussehen könnte, ist in der Studie wie folgt skizziert: Ein Mobilitätsbudget stellt die finanzielle Unterstützung der Arbeitnehmenden sicher. Arbeitszeiten sollten Beschäftigte flexibel gestaltet können, um zum Beispiel Fahrten im Dunkeln zu vermeiden. Am Arbeitsplatz angekommen, sollten Radfahrern gute Parkmöglichkeiten angeboten werden sowie ein Reparaturservice, um für einen sicheren Rückweg zu garantieren. Zusätzliche Maßnahmen sind das Angebot von regelmäßigen Fahrsicherheitstrainings und die Bereitstellung von Sicherheitsausstattung wie Helmen oder Beleuchtung. Auch intern können Anreize gesetzt werden, indem regelmäßig auf die Radfahrmöglichkeit hingewiesen, interne Werbung betrieben oder wasserfeste Kleidung mit Firmenlogo gestellt wird.  

Wichtig: Auch der Betriebsrat kann hier auch eine bedeutende Rolle spielen und sich für die entsprechenden Maßnahmen und Regelungen einsetzen, beispielsweise im Rahmen von Betriebsvereinbarungen zu flexiblen Arbeitszeiten oder der Ausgestaltung von Job-Rad-Angeboten. 

Autorin des Artikels

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Eva Seip

Eva Seip studiert Sprach- und Medienwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und arbeitet als Werkstudentin in der AiB-Redaktion. Ihr Interesse gilt vor allem Themen an der Schnittstelle von Kommunikation, Sprache und gesellschaftlichem Wandel.

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