Wiedergewählte Yasmin Fahimi: „Wir halten dagegen“
Die bisherige Vorsitzende des DGB ist auch die künftige. Auf dem Bundeskongress steckte sie die Positionen des Gewerkschaftsdachverbands sehr klar ab.
Die bisherige Vorsitzende des DGB ist auch die künftige. Auf dem Bundeskongress steckte sie die Positionen des Gewerkschaftsdachverbands sehr klar ab.
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Yasmin Fahimi wird den DGB auch in den nächsten Jahren führen. Die Vorsitzende wurde auf dem 23. Bundeskongress des Gewerkschaftsdachverbands in Berlin mit 96,1 % der Stimmen wiedergewählt.
In ihrer Grundsatzrede lehnte Fahimi Pläne zu einer Reform des Arbeitszeitgesetzes ebenso scharf ab wie die aktuellen Vorschläge zu Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung und Ideen zur Anhebung des Renteneinstrittsalters. „Wir lassen uns nicht einschüchtern und nicht entmutigen“, so Fahimi. „Nicht von täglichen Angriffen auf den Sozialstaat, nicht von dem Geraune, die Beschäftigten seien zu bequem und zu teuer. Wir halten dagegen – klar und selbstbewusst. Dieses Land ist besser als sein Gerede.“
Überhaupt gab sich Fahimi kämpferisch. Mit Blick auf die Umbrüche und Herausforderungen der Gegenwart – geopolitische Konflikte, internationale Tendenzen zum Abbau von Demokratie- und Sozialstandards, Wirtschaftskrise, zunehmende soziale Ungleichheit – sagte die 58-Jährige: „Wir sind hier in Deutschland und in Europa. Bei uns gilt das Modell der sozial verantwortlichen Marktwirtschaft. Hier sorgen wir für Teilhabe und Mitbestimmung. Hier sorgen die starke deutsche Gewerkschaftsbewegung und der Sozialstaat für Schutz gegenüber Willkür und Ausbeutung.“ Ihr Versprechen: „Das bleibt auch so.“
In diesem Sinne will sich der DGB der Einführung einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit im Rahmen einer Reform des Arbeitszeitgesetzes entschieden widersetzen. „Finger weg von der 8! Sonst müssen und werden wir gemeinsam dafür sorgen, dass der Protest dagegen auf die Straße kommt", warnte Fahimi. Die geplante Aufweichung des Achtstundentags sei „ein Kniefall gegenüber den Arbeitgebern und Rückfall in Arbeitszeiten vor 1918“.
Ebenso deutlich reagierte die DGB-Vorsitzende auf unter anderem von Bundeskanzler Friedrich Merz erhobene Forderungen, die Deutschen müssten länger – z. B. weniger in Teilzeit – und effizienter arbeiten. „Niemand hat das Recht, unseren Leuten den Stolz auf die eigene Arbeitsleistung abzusprechen“, so Fahimi. „Die Beschäftigten in unserem Land sind überaus fleißig, zuverlässig, kompetent und engagiert. Sie halten dieses Land am Laufen.“
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Nicht zuletzt lenkte die oberste Gewerkschafterin des Landes den Blick auf die Debatte um Ungleichheit. Das sei der „große aktuelle Konflikt. Es geht nicht um Jung gegen Alt, nicht um Immigranten gegen Einheimische, nicht um Arbeitslose gegen Beschäftigte – oder was auch immer an spaltenden Gegensätzen sonst noch konstruiert wird.“ Daraus leitet sich eine Aufforderung an die Bundesbürger*innen auf, zusammenzuhalten und sich zu engagieren: „Schreibt die Welt nicht ab – schreibt sie mit uns um. Gemeinsam sind wir stärker“, so Fahimi. Es gehe um „eine Zukunft, die allen gehört."
Der Ordentliche Bundeskongress des DGB läuft noch bis zum 13. Mai 2026. Die rund 400 Delegierten aus den acht DGB-Gewerkschaften beraten dort unter dem Motto „Stärker mit uns.“ über Leitlinien gewerkschaftlicher Arbeit für die Zeit bis 2030.