Rente & Demografie

Keine Zukunft ohne Zuwanderung – gerade im Osten

Ohne Migration droht Deutschland ein dramatischer Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung. Gerade für die ostdeutschen Länder hätte das weitreichende Konsequenzen, wie Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigen. 

Bis 2045 könnte die Zahl der Erwerbsfähigen im Alter zwischen 15 und 66 Jahren in den ostdeutschen Flächenländern von aktuell rund 7,7 Millionen auf etwa sechs Millionen Menschen sinken – ein Rückgang um 22 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Demnach würde auch die Erwerbsbevölkerung im Westen Deutschlands erheblich schrumpfen, wenn auch weniger krass als im Osten. Die Folgen wären nicht nur auf dem Arbeitsmarkt spürbar, sondern könnten die Versorgung der Bevölkerung gefährden.

Am stärksten wäre der Rückgang gemäß der IW-Prognose in Mecklenburg-Vorpommern. Dort würde fehlende Zuwanderung zu einer Abnahme der erwerbsfähigen Bevölkerung um fast 25 Prozent führen. In Sachsen-Anhalt. Brandenburg und – mit leichten Abstrichen – wären die Auswirkungen ähnlich. Hier würde die Zahl der Erwerbsfähigen um rund 24 Prozent bzw. 23 Prozent (Thüringen) sinken. In Sachsen fiele der Rückgang mit circa19 Prozent im ostdeutschen Vergleich gemäßigt aus. 

Im Westen sähe es (etwas) besser aus

Deutschland insgesamt würde nach dem Szenario – das in seiner extremen Ausprägung unrealistisch, je nach politischer und wirtschaftlicher Entwicklung aber auch nicht völlig realitätsfern erscheint – in den nächsten zwei Jahrzehnten 17,4 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung verlieren. Denn auch im Westen, wo weniger erwerbsfähige Menschen abwandern, würde die demografische Entwicklung ohne Migration voll auf den Erwerbsmarkt durchschlagen.  

Besonders im Saarland (minus 20,9 Prozent Erwerbsfähige bis 20245), Rheinland-Pfalz (minus 18,5 Prozent) und Niedersachsen (minus 18,4 Prozent) würde sich dies bemerkbar machen. In Baden-Württemberg (minus 15,6 Prozent) wäre der Verlust unter den Flächenländern am kleinsten. Substanziell weniger betroffen wären lediglich die Stadtstaaten wie Berlin (minus 10,6 Prozent).  

Fehlende Zuwanderung macht sich vor allem auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar, denn die allermeisten Zugewanderten sind im erwerbsfähigen Alter. Aber das ist nicht die einzige Folge. Wenn in bestimmten Regionen Arbeitskräfte fehlen, kann das die Versorgung der Bevölkerung mit wichtigen Dienstleistungen gefährden. So können Pflegekräfte, Ärzte oder Handwerker nicht durch Technik oder KI ersetzt werden.  IW-Forscher Wido Geis-Thöne warnt deshalb vor den potenziell weitreichenden Folgen fehlender Zuwanderung. Es drohe ein „Teufelskreis aus weniger Arbeitskräften, weniger Wirtschaftskraft, geringerer Attraktivität für jüngere Menschen und noch mehr Wegzügen.“  

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Autorin des Artikels

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Eva Seip

Eva Seip studiert Sprach- und Medienwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und arbeitet als Werkstudentin in der AiB-Redaktion. Ihr Interesse gilt vor allem Themen an der Schnittstelle von Kommunikation, Sprache und gesellschaftlichem Wandel.

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