Deutschland insgesamt würde nach dem Szenario – das in seiner extremen Ausprägung unrealistisch, je nach politischer und wirtschaftlicher Entwicklung aber auch nicht völlig realitätsfern erscheint – in den nächsten zwei Jahrzehnten 17,4 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung verlieren. Denn auch im Westen, wo weniger erwerbsfähige Menschen abwandern, würde die demografische Entwicklung ohne Migration voll auf den Erwerbsmarkt durchschlagen.
Besonders im Saarland (minus 20,9 Prozent Erwerbsfähige bis 20245), Rheinland-Pfalz (minus 18,5 Prozent) und Niedersachsen (minus 18,4 Prozent) würde sich dies bemerkbar machen. In Baden-Württemberg (minus 15,6 Prozent) wäre der Verlust unter den Flächenländern am kleinsten. Substanziell weniger betroffen wären lediglich die Stadtstaaten wie Berlin (minus 10,6 Prozent).
Fehlende Zuwanderung macht sich vor allem auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar, denn die allermeisten Zugewanderten sind im erwerbsfähigen Alter. Aber das ist nicht die einzige Folge. Wenn in bestimmten Regionen Arbeitskräfte fehlen, kann das die Versorgung der Bevölkerung mit wichtigen Dienstleistungen gefährden. So können Pflegekräfte, Ärzte oder Handwerker nicht durch Technik oder KI ersetzt werden. IW-Forscher Wido Geis-Thöne warnt deshalb vor den potenziell weitreichenden Folgen fehlender Zuwanderung. Es drohe ein „Teufelskreis aus weniger Arbeitskräften, weniger Wirtschaftskraft, geringerer Attraktivität für jüngere Menschen und noch mehr Wegzügen.“