Die fehlende Differenzierung ist der eine Punkt. Der andere betrifft die Finanzierung. Einigkeit besteht über den Grundsatz: Wer mehr verdient, soll höhere Beiträge leisten. Warum zählt hier nur das Einkommen aus abhängiger Tätigkeit? Da hat jemand ein Mietshaus geerbt und bekommt jeden Monat 2000 Euro als Netto-Miete. Warum soll das keine Rolle spielen? Oder wie steht es mit Dividenden und anderen Einnahmen aus Kapitalvermögen? Sie werden sowieso niedriger (mit pauschal 25 %) besteuert als höhere Arbeitseinkommen. Warum sollen sie bei den Sozialabgaben nicht berücksichtigt werden?
Und warum gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze? Sie schont die Hochverdiener. Sollten sie nicht einen Solidarbeitrag in dem Sinne leisten, dass sie auch darüber hinaus Beiträge bezahlen, die – und hier läge das solidarische Element – nur teilweise bei der Rente berücksichtigt werden? Da müsste man allerdings einige heilige Kühe schlachten, die bislang von allen Regierungen sorgsam gepflegt wurden.
Zu diesen unantastbaren Größen zählen auch die Beamten. Sie sollen im Gegensatz zu den Selbständigen und den geringfügig Beschäftigten weiter außen vor bleiben. In Österreich hat man sie einbezogen und auch die anderen Finanzierungsquellen erschlossen. Wie wär´s, wenn unsere Rentenreformer die Scheuklappen zur Seite schieben und sich das System unserer Nachbarn anschauen würden?
Ein letzter Punkt: Die Kommission hat auch den Kapitalmarkt entdeckt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen je 1 % in einen Fonds einzahlen, der dieses Geld dann durch geschickte Anlagestrategien deutlich vermehrt. Hier wird plötzlich ins Ausland geschaut und auf gute Erfahrungen in Skandinavien verwiesen. Dass US-Pensionsfonds in der Krise 2008/2009 beinahe bankrott oder tatsächlich pleite gegangen sind, wird selbstredend nicht erwähnt. Wer Erfolg an der Börse (oder in ihrer Nähe) haben will, muss wissen, wie wirklich reiche Leute ihr Geld vermehren. Ob man solche Experten finden wird? Ich habe da so meine Zweifel.