Das IW gilt als arbeitgebernah. Aber im Kern decken sich seine Erkenntnisse mit jenen anderer Akteure, darunter das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), einer Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Dessen Daten zufolge wird das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland 2026 erstmalig seit langem sinken, und zwar um 40.000 auf 48,62 Millionen Personen. Für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sagt das IAB ebenfalls einen leichten Rückgang voraus. Als Gründe werden die demografische Schrumpfung (siehe oben) und die wirtschaftliche Transformationskrise – man könnte auch von Strukturwandel sprechen – genannt.
Die negative Beschäftigungsentwicklung betrifft laut IAB nicht alle zehn von dem Institut betrachteten Wirtschaftsbereiche. Freilich entstünden „nahezu alle zusätzlichen Stellen“ im Bereich öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit. Getrieben durch den Ausbau der Kindertagesbetreuung und die Alterung der Gesellschaft würde es dort laut Prognose 180.000 Beschäftigte mehr geben als bislang.
Außerhalb dessen erwartet das IAB nur in der Finanz- und Versicherungsbranche, wo jahrelang Stellen reduziert wurden, ein (leichtes) Wachstum von etwa 10.000 Stellen. Dagegen werde die Beschäftigung in der Industrie trotz einiger Stabilisierungsanzeichen weiter sinken, nämlich um insgesamt rund 140.000 Personen. Zur Begründung verweist Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen am IAB, unter anderem auf die zusätzlichen Belastungen durch den Irankrieg und die damit verbundenen Energiepreissteigerungen und Handelsstörungen.
Eine schrumpfende und alternde Bevölkerung, weniger Beschäftigung, bescheidene Konjunkturaussichten: Zwar liefern die Kurzberichte von IW und IAB in Teilen besorgniserregende Daten, aber je nach Lesart auch Beruhigendes. Etwa was das Thema Automatisierung und KI betrifft. So schreibt das IAB: „Von den Umbrüchen durch Künstliche Intelligenz sind zwar auch junge Akademikerinnen und Akademiker betroffen, aber gut qualifizierte Arbeitskräfte werden weiterhin gebraucht.“ Und auch laut IW kann KI den Mangel an Arbeitskräften bis auf Weiteres nicht kompensieren.
Daran könnten Betriebsräte sich und vor allem die Arbeitgeberseite erinnern, wenn diese in Gesprächen über Personalabbau die neuen technischen Möglichkeiten beschwören.
Der IW-Kurzbericht „Die Babyboomer erreichen das Rentenalter“ kann hier heruntergeladen werden. Der IAB-Kurzbericht zur Arbeitsmarktentwicklung 2026 ist hier abrufbar.