Studie

Ausbildungsabschluss trotz Firmenpleite zahlt sich aus

Wenn Betriebe schließen müssen, stellt das nicht nur die regulär Beschäftigten vor Herausforderungen. Es kann auch berufliche Folgen für Auszubildene mit sich bringen – wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt. 

Ist die wirtschaftliche Lage stabil, sind die ersten Schritte ins Berufsleben oftmals vorgezeichnet: Der Großteil der Auszubildenden bleibt nach ihrem Abschluss weiterhin im Ausbildungsbetrieb beschäftigt. 2024 wurden rund 79 Prozent von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen. Doch was passiert, wenn der Ausbildungsbetrieb pleite geht?  

Die IAB-Studie kommt zu dem Schluss, dass der Verlust des Ausbildungsplatzes kleine, aber vor allem auf längere Sicht einschneidende Folgen hat: Im Vergleich zu Auszubildenden, die ihre Ausbildung im ursprünglichen Betrieb abschließen konnten, gab es messbare Unterschiede im Verdienst. Vier Jahre nach der Betriebsschließung lag ihr Jahreseinkommen aus regulärer Beschäftigung um bis zu 780 Euro niedriger. Das entspricht 4,5 Prozent. Auch in den folgenden Jahren lässt sich ein finanzieller Unterschied von fast zwei Prozent feststellen.  

Mitbestimmungskompass_Banner 1

Jedoch lässt sich das Ausmaß der Einkommensverluste nicht gleichermaßen auf alle betroffenen Auszubildenden übertragen: Wer nach der Betriebsschließung einen neuen Betrieb findet und dort seine Ausbildung abschließt, hat langfristig kaum Einkommensverluste. Auch die Wahrscheinlichkeit, die Ausbildung abzubrechen, erhöht sich nur geringfügig. Deutlich schlechter fällt die Bilanz für Auszubildende aus, die ihre Ausbildung nach einer Betriebsschließung abbrechen: Sie müssen mit höheren Einkommensverlusten rechnen und sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen.  

Der entscheidende Punkt ist also, ob die Ausbildung zu Ende gebracht wird oder nicht. Daher ist es besonders wichtig, dass Betroffene schnell wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden und eine neue Ausbildungsstelle finden.  

Duales Ausbildungssystem bietet Sicherheit in Krisenfällen

Unterstützung bieten in diesen Fällen Berufsschulen, Kammern und die Bundesagentur für Arbeit, denn sie können den Wechsel in einen neuen Betrieb begleiten. Besonders in wirtschaftlichen Krisenzeiten können zusätzliche Fördermaßnahmen die Zeit außerhalb des Ausbildungssystems verkürzen. Dennoch kann dadurch der Nachteil der Betroffenen nicht gänzlich ausgeglichen werden, und Unterschiede vor allem im Verdienst bleiben auch auf längere Sicht bestehen.  

Auch die Branche der Ausbildungsstelle spielt der Studie zufolge eine entscheidende Rolle: In Branchen, die ohnehin nach Auszubildenden suchten, war der Wechsel häufig einfacher. Unter schlechteren Arbeitsmarktbedingungen oder stärkerem Wettbewerb um Ausbildungsplätze stellte sich die Suche nach einem neuen Platz schwieriger dar.  

Die Studie stützt sich auf Daten deutscher Auszubildender zwischen 2008 und 2022 und hat den Einfluss des Verlusts des Ausbildungsplatzes auf spätere Beschäftigung und Einkommen über eine Spanne von acht Jahren untersucht.

Quelle

Wicht, Leonie (2026): Unintended Transitions: Employment Outcomes Following Firm Closures During Vocational Education and Training. (IAB-Discussion Paper 05/2026), Nürnberg, 179 S. DOI:10.48720/IAB.DP.2605

AiB Audio