Industriekrise

Verarbeitendes Gewerbe: Hohe Zinsen fördern Stellenabbau

Unternehmenskredite haben sich seit 2020 stark verteuert. Das trägt laut einer Untersuchung des IAB erheblich zum Beschäftigungs­rückgang in Teilen der Industrie bei.

Die Beschäftigungskrise des nationalen verarbeitenden Gewerbes hat mehr mit der Entwicklung der Unternehmenszinsen zu tun als allgemein angenommen. Das ist die Kernaussage einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), einer sogenannten besonderen Dienststelle der Bundesagentur für Arbeit. „Nicht nur Energiepreise und Zölle belasten die Industrie, auch die hohen Kreditkosten drücken erheblich auf die Beschäftigung. Das liegt an der hohen Kapitalintensität und der starken Abhängigkeit von schuldenfinanzierten Investitionen“, sagt Enzo Weber, Forschungsbereichsleiter am IAB.

Dem IAB nach lagen die Beschäftigungszahlen im verarbeitenden Gewerbe – ein gewichtiger Bestandteil der Industrie in Deutschland, der unter anderem die Automobilindustrie und den Maschinenbau umfasst – im Jahr 2025 fast fünf Prozent unter dem Niveau von 2020. Im gleichen Zeitraum verteuerten sich Unternehmenskredite von gut 1 Prozent auf zwischenzeitlich mehr als 5 Prozent. Seit 2024 sanken die Zinsen zwar etwas, aber mit den hohen Kreditkosten begann damals die Beschäftigung deutlich abzunehmen (siehe Grafik).

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Stellenabbau steigt mit Verschuldungsgrad

Teure Kredite wirken sich innerhalb des verarbeitenden Gewerbes unterschiedlich aus: Die Beschäftigung sinkt vor allem in solchen Branchen, in denen viele Unternehmen von Fremdfinanzierung abhängig sind und hohe Schulden haben. So hat laut IAB ein um 10 Prozentpunkte erhöhter Verschuldungsgrad in diesen Branchen einen Rückgang der Beschäftigung um 5,4 Prozent zufolge.

In der Praxis heißt das: Zwischen 2022 – als die EZB ihre Geldpolitik in Folge von Ukraine-Krieg und Inflationsschub verschärfte und Zinsen sprunghaft stiegen – und 2025 sei die Beschäftigung in höher verschuldeten Branchen des verarbeitenden Gewerbes um 4,7 Prozentpunkte stärker geschrumpft als in weniger verschuldeten. Von diesen 4,7 Prozentpunkten Differenz wiederum seien 3,3 Prozentpunkte auf die Verschuldung selbst zurückzuführen. 

Und noch etwas verdeutlicht die Untersuchung: die besondere Lage des verarbeitenden Gewerbes im Vergleich zur Gesamtwirtschaft. So wirken sich die finanziellen Rahmenbedingungen in anderen Wirtschaftsbereichen laut IAB-Forscher Ahmet Ali Taskin wesentlich weniger stark auf die Beschäftigung au. Tatsächlich sind die Beschäftigungszahlen in Deutschland in den vergangenen Jahren trotz hohen Zinsniveaus und Konjunkturtiefs weitgehend stabil geblieben. 

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Eva Seip

Eva Seip studiert Sprach- und Medienwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und arbeitet als Werkstudentin in der AiB-Redaktion. Ihr Interesse gilt vor allem Themen an der Schnittstelle von Kommunikation, Sprache und gesellschaftlichem Wandel.

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