Finanzen

Immer mehr Deutsche leben von ihren Ersparnissen

Für immer mehr Menschen in Deutschland wird es schwieriger, mit ihrem Einkommen die laufenden Lebenshaltungskosten zu decken. Miete, Energie und Lebensmittel belasten die Haushaltskassen. Einige Haushalte trifft es besonders hart.

Die Kassen der deutschen Privathaushalten sind klamm: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 43 Prozent der Befragten inzwischen auf ihre Ersparnisse zurückgreifen, um ihren Alltag zu finanzieren. Besonders angespannt ist die Situation bei Menschen mit niedrigerem Einkommen.

Für die im Auftrag der Postbank durchgeführte YouGov-Umfrage wurden vom 2. bis 5. Oktober 2026 insgesamt 2.117 Menschen ab 18 Jahren befragt. Zwar bilden 81 Prozent weiterhin Rücklagen, doch 41 Prozent der Sparer legen heute weniger zurück als noch vor einem Jahr, jeder Fünfte (21 Prozent) sogar deutlich weniger. Nur 39 Prozent der Befragten können ihre Ausgaben vollständig aus den laufenden Einnahmen bestreiten.

13,8 Prozent ohne Ersparnisse

Besonders knapp ist der Spielraum bei niedrigen Einkommen: Von den Menschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 2.500 Euro können 29 Prozent derzeit nichts beiseitelegen, bei höheren Einkommen sind es sechs Prozent. Und 27 Prozent der Haushalte unter dieser Grenze haben keine Ersparnisse, auf die sie zurückgreifen könnten; bei höheren Einkommen sind es sieben Prozent.

Zugleich hat der Preisdruck wieder zugenommen: 15 Prozent der Befragten geben an, ihre Lebenshaltungskosten aufgrund der gestiegenen Preise kaum noch bezahlen zu können. Im März 2026 waren es 13 Prozent. Bei Haushalten mit weniger als 2.500 Euro Nettoeinkommen sagt dies fast jeder Vierte (24 Prozent).

3.000 Euro unerwartet: Für viele schon zu viel

Wie anfällig viele Haushalte für unerwartete finanzielle Belastungen sind, zeigt eine weitere Befragung im Auftrag des Versicherers Debeka, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im September 2026 durchgeführt hat. Demnach könnten 37 Prozent der Befragten eine unerwartete Ausgabe von 3.000 Euro nicht kurzfristig bewältigen, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.

Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 63 Prozent. Auch Familien mit Kindern sind besonders betroffen: 46 Prozent könnten eine solche Ausgabe nicht problemlos stemmen.

Jeder zweite hält höchstens drei Monate durch

Noch deutlicher wird die finanzielle Unsicherheit beim Blick auf einen möglichen Einkommensausfall. Laut der Debeka-Erhebung (ohne Rentner) könnten 22 Prozent der Befragten ihre laufenden Ausgaben ohne Einkommen lediglich einen Monat lang finanzieren. Weitere 29 Prozent kämen höchstens drei Monate über die Runden – insgesamt also 51 Prozent. Nur 23 Prozent hätten Rücklagen für mehr als sechs Monate.

Deutschland unter europäischem Durchschnitt

Auch im europäischen Vergleich steht Deutschland nicht besonders gut da: Laut Eurostat konnten 2025 in Deutschland 31,9 Prozent der Bevölkerung eine unerwartete finanzielle Ausgabe nicht bewältigen. Der Durchschnitt der Europäischen Union liegt bei 29,2 Prozent.

Zwei bis drei Nettogehälter als Notgroschen

Verbraucherschützer empfehlen als Faustregel Rücklagen in Höhe von zwei bis drei monatlichen Nettoeinkommen. Doch für Menschen, die bereits ihr Erspartes zur Finanzierung des Alltags einsetzen müssen, wird der Aufbau eines solchen Notgroschens zunehmend schwieriger. Ein unerwarteter Einkommensausfall oder eine größere Rechnung kann damit schnell zur finanziellen Belastungsprobe werden.

Quelle

42,6 Prozent der Befragten gaben in einer YouGov-Umfrage für die Postbank an, sie nutzten inzwischen ihre Rücklagen, um Lebenshaltungskosten bezahlen zu können.

 

Die Hälfte der Menschen hält einen Einkommensausfall höchstens drei Monate durch, schreibt die Debeka in einer aktuellen Pressemitteilung. 

 

Auch im europäischen Vergleich liegt Deutschland unter dem Durchschnitt, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) aufschlüsselt: Social issues and living conditions. 

 

Autorin des Artikels

Bettina Wolf Autorenbild

Bettina Wolf

Bettina Wolf ist seit September 2026 Teil des AIB-Teams. Als langjährige Print- und Online-Redakteurin für Magazine, Tageszeitungen und News-Portale hat sich die auf Familienthemen spezialisierte Journalistin schon früh mit Arbeitswelt und Mitbestimmung befasst – unter anderem als Betriebsrätin, wo sie die Themen der AIB aus erster Hand in der Praxis kennengelernt hat. Nach Stationen in Neuseeland, New York und Weinheim lebt sie heute wieder in Heidelberg. Wenn sie nicht gerade schreibt oder recherchiert, ist die zweifache Mutter und begeisterte Gen-Z-Kennerin auch als Vormund für unbegleitete geflüchtete Kinder und Jugendliche im Rhein-Neckar-Kreis im Einsatz.

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