Mehr Druck: Wirtschaftliche Lage befeuert das Stresslevel
Wettbewerbs- und Kostendruck, Personalabbau, KI-Automatisierung – die deutsche Wirtschaft muss einige Herausforderungen meistern. Das sorgt bei den Belegschaften für Stress.
Wettbewerbs- und Kostendruck, Personalabbau, KI-Automatisierung – die deutsche Wirtschaft muss einige Herausforderungen meistern. Das sorgt bei den Belegschaften für Stress.

Sparprogramme und Personalabbau sind laut einer aktuellen YouGov-Studie im Auftrag von Swiss Life Deutschland und der Industriegewerkschaft IGBCE die größten Stressfaktoren im Arbeitsalltag.
Mehr als die Hälfte der 1153 befragten Beschäftigten (Juni 2026) aus den Industriesparten Chemie, Energie, Pharma, Bergbau, Umwelttechnik, Wasserwirtschaft, Papier, Keramik, Kunststoff, Kautschuk/Gummi, Leder, Glas/Entsorgung erwarten in Zukunft mehr Druck und mehr Stress im Arbeitsalltag. 54 Prozent fürchten steigende, ein Drittel (33 Prozent) teilweise steigende Anforderungen an die persönliche Flexibilität und Belastbarkeit. Lediglich zehn Prozent der Befragten machen sich in dieser Hinsicht kaum oder keine Sorgen.
„Die heutige Weltlage fühlt sich für viele Menschen deutlich unberechenbarer an als noch vor einigen Jahren", sagt Dirk von der Crone, CEO Swiss Life Deutschland. „Industrien wie der Chemie-, Kunststoff- oder Energiesektor agieren am Puls globaler Lieferketten. Somit bilden die Ausblicke ihrer Beschäftigten einen geeigneten Seismografen für den Kurs unserer exportorientierten Volkswirtschaft insgesamt.“ Die absolute Mehrheit der Beschäftigten stelle sich auf noch härtere Zeiten ein.
44 Prozent der Befragten geben an, im Zeitraum von einem Jahr strukturbedingt mehr physische oder psychische Belastungen zu verspüren. Auf 29 Prozent trifft das teilweise zu, während nur rund jeder Vierte keine Mehrbelastung registriert.
Die Ursachen sind den Umfrageergebnissen zufolge Kosteneinsparungen und Effizienzprogramme (49 Prozent), Personalabbau oder nicht nachbesetzte Stellen (48 Prozent) und häufige Umstrukturierungen und kurzfristige Prozessänderungen (40 Prozent).
Deutliche Unterschiede hinsichtlich der Stressbelastung gibt es zwischen Mitarbeitenden in der Produktion und den Bereichen Verwaltung, Außendienst und Entwicklung oder Labor. Mit 59 Prozent sind signifikant mehr Beschäftigte in der Produktion von mentalen oder körperlichen Mehrbelastungen betroffen die andere Beschäftigtengruppen (37 Prozent). Dennoch sind 45 Prozent für den eigenen Arbeitsplatz für die kommenden fünf Jahre optimistisch.
Die Arbeitsverdichtung steigt und steigt, genauso wie der Veränderungsdruck und das eigene Stresslevel: Die Belastung am Arbeitsplatz hat für die Mehrheit der Industriebeschäftigten weiter zugenommen. Das zeigt unsere aktuelle Umfrage eindrucksvoll. Wirtschaft und Politik sollten das als Weckruf aus der Mitte der industriellen Realität verstehen.
IGBCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis.
Obwohl der technologische Fortschritt insbesondere durch Anwendungen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz für Arbeitsprozesse und -bereiche in Industrieunternehmen besonders große Veränderungen mit sich bringen kann, sind generationsübergreifend nur ein Viertel der Befragten besorgt, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre ihr Arbeitsplatz durch KI-Automatisierung wegfallen könnte.
Die Einschätzung der Jobsicherheit variiert allerdings in Zusammenhang mit der Generationszugehörigkeit. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der unter 30-Jährigen gibt an, ihren Job durch KI bedroht zu sehen. Zum Vergleich: Nur 17 Prozent der Gen X (Jahrgang 1965 - 1980) sehen ein sehr oder eher hohes KI-Risiko für ihre Tätigkeit.
Pressemitteilung von Swiss Life Deutschland vom 3.8.2026