Unternehmensmitbestimmung treibt Digitalisierung voran
Eine empirische Studie zeigt, dass Unternehmen bei der digitalen Transformation weiter sind, wenn die Beschäftigtenseite im Aufsichtsrat vertreten ist.
Eine empirische Studie zeigt, dass Unternehmen bei der digitalen Transformation weiter sind, wenn die Beschäftigtenseite im Aufsichtsrat vertreten ist.

Digitale Transformation geht mit höherer Profitabilität und stärkerer Beschäftigungsentwicklung einher, wenn Aufsichtsräte in Unternehmen mitbestimmen. Besonders ausgeprägt ist dieser „Mitbestimmungs-Bonus“ bei Firmen in komplexeren Kontexten, etwa mit stark diversifiziertem Geschäftsmodell oder breit gestreuter Eigentümerstruktur. Das zeigt eine Untersuchung eines Forschungsteams der Universitäten Marburg und Göttingen.
Die Forschenden haben rund 500 börsennotierte Unternehmen mit Blick auf die Unternehmensmitbestimmung bei strategischen Digitalisierungsprozessen im Zeitraum von 2010 bis 2020 unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Mitbestimmte Unternehmen schneiden in vier untersuchten Bereichen besser ab als Unternehmen ohne Mitbestimmung.
Um den Einfluss der Mitbestimmung möglichst aussagekräftig darzustellen, verglichen die Forschenden 252 deutsche Unternehmen, die im Prime Standard der Deutschen Börse notiert sind (111 davon mitbestimmt, 141 nicht), mit ebenso vielen europäischen Unternehmen ohne Mitbestimmung. Die Vergleichsunternehmen waren hinsichtlich Größe, Branche und Diversifizierung ähnlich. So konnten die Forschenden den Zusammenhang zwischen Mitbestimmung und digitaler Transformation gezielter untersuchen.
Warum mitbestimmte Unternehmen bei der Digitalisierung besser abschneiden, erklären die Forschenden mit zwei wesentlichen Faktoren: Beschäftigtenvertreter*innen bringen ihr Erfahrungs- und Organisationswissen in die Entscheidungen ein und können dazu beitragen, Vertrauen und Akzeptanz für digitale Veränderungsprozesse zu stärken. Gerade weil digitale Projekte Arbeitsabläufe, Qualifikationsanforderungen und Organisationsstrukturen erheblich verändern können, erweitert dies die Entscheidungsgrundlage des Aufsichtsrats und schafft bessere Voraussetzungen für eine langfristige Umsetzung.
Konflikte verschwänden dadurch nicht. Die Entscheidungen erhalten nach Einschätzung der Forschenden aber eine höhere Legitimation und damit stabilere Voraussetzungen für die Umsetzung.
Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung: „Neue Forschung: Mitbestimmte Unternehmen sind bei Digitalisierung erfolgreicher – doch geplante ‚EU Inc.‘ bedroht Mitbestimmung massiv“ vom 5.10.2026.