Beschäftigte in Ländern mit großzügiger Lohnfortzahlung (ab dem ersten Krankheitstag mindestens 80 Prozent des Lohns für mindestens zwei Wochen) arbeiten seltener, wenn sie krank sind – die Zahl der Krankheitstage ist dort im Schnitt acht Prozentpunkte niedriger als in Ländern mit weniger arbeitnehmerfreundlichen Regelungen.
Auch im Länderverglich zeigen sich deutliche Unterschiede: Beschäftigte in Deutschland arbeiten an etwa jedem fünften Krankheitstag. In Spanien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich liegt der Anteil bei über 55 Prozent, was die Forschenden auch auf die strengeren Vorschriften bei der Lohnfortzahlung zurückführen, da die Betroffenen finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, wenn sie trotz einer Erkrankung nicht arbeiten.
Besonders deutlich zeigt sich laut Reuter der Zusammenhang bei älteren Beschäftigten, Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten sowie Beschäftigten in ungelernten Tätigkeiten – also offensichtlich bei Personengruppen, bei denen das Thema Finanzen aufgrund persönlicher Umstände einen höheren Stellenwert einnimmt.