Psychische Belastungen

Psychisch gesund durch den Arbeitsalltag

Zeitdruck, Überforderung, Konflikte oder ungünstige Arbeitsbedingungen können die psychische Gesundheit belasten. Umso wichtiger sind ein gutes Umfeld im Job, das frühzeitige Erkennen von Warnzeichen und ein sorgsamer Umgang mit der Psyche. 

Der 10. Oktober ist der „Welttag der psychischen Gesundheit“. Er soll das Bewusstsein für psychische Gesundheit und psychische Erkrankungen stärken und auf die Bedeutung einer guten psychischen Gesundheitsversorgung aufmerksam machen.

Was versteht man unter psychischer Belastung?

Die Gruppe der „psychischen Arbeitsbelastungen“ umfasst zwei unterschiedliche Begrifflichkeiten. Die Europäische Norm NE ISO 10075-1 „Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung“ differenziert dabei folgendermaßen: 

Psychische Erkrankungen nehmen langfristig zu

Wie relevant das Thema ist, zeigt der Blick auf die Statistiken zum Krankenstand.  Laut des aktuellen Fehlzeiten-Reports 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) mit dem Schwerpunktthema „Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt stärken“ sorgten psychischen Erkrankungen im Jahr 2025 für durchschnittlich 14,1 AU-Fälle je 100 Mitglieder. Die durchschnittliche Dauer je Fall betrug 28,5 Tage – der Spitzenwert unter den erfassten Ausfallursachen.  

Besonders deutlich wird die Entwicklung im Langzeitvergleich: In den vergangenen zehn Jahren sind die AU-Tage aufgrund psychischer Erkrankungen um knapp 42 Prozent gestiegen. Während 2016 noch 284 Tage je 100 Mitglieder zu verzeichnen waren, lag dieser Wert 2025 bei 403 Tagen je 100 Mitglieder. 

So können Belastungen entstehen

Die Gründe für die hohe psychische Belastung von Beschäftigten sind vielseitig. Ein wichtiger Faktor sind die Arbeitsbedingungen. Wenn Beschäftigte über- oder unterfordert sind, die Arbeitsmenge zu groß oder die Arbeitsgeschwindigkeit zu schnell ist. Auch die Arbeitsbeziehungen können Ursache für psychische Belastungen sein: So können sich Konflikte mit Vorgesetzten und Kolleg*innen, Mobbing, fehlende Unterstützung, ein schlechtes Arbeitsklima und vieles mehr auf die Psyche von Arbeitnehmer*innen auswirken. Genauso kann die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes eine Rolle spielen und zu Unsicherheiten und Sorgen führen.  

Auf der anderen Seite sind auch private und biografische Umstände entscheidend für die psychische Gesundheit.   Überforderungen entstehen meistens aus einer Kombination mehrerer Faktoren. Viele Betroffene beschreiben den Weg in die Krise als einen schleichenden Prozess, der sich mit der Zeit immer weiter zuspitzt. Langfristig können sich akute psychische Krisen auf die körperliche Gesundheit ausweiten.

Warnzeichen für psychische Belastung

Nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch der eigene Umgang mit Belastungen ist für die psychische Gesundheit entscheidend. Aber ab wann wird die Belastung zu groß? Die folgenden Anzeichen können darauf hindeuten, dass die persönliche Belastungsgrenze erreicht ist. Sie müssen nicht zwingend auf eine psychische Erkrankung hinweisen – insbesondere, wenn mehrere Beschwerden über längere Zeit auftreten, sollte man sie jedoch ernst nehmen.

  • Schlafstörungen und nächtliches Grübeln 
  • anhaltende Erschöpfung trotz Erholung 
  • Konzentrationsprobleme 
  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen 
  • Schwierigkeiten, nach der Arbeit abzuschalten 
  • sozialer Rückzug 
  • vermehrter Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln 
  • körperliche Beschwerden ohne erkennbare körperliche Ursache, wie Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Probleme 

Wer diese Warnzeichen bei sich selbst bemerkt, sollte nicht davor zurückschrecken Hilfe zu suchen. Ein offenes Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzten kann helfen. In größeren Unternehmen gibt es zudem die Möglichkeit, sich an das betriebliche Gesundheitsmanagement zu wenden. Genauso kann der - Betriebs- oder Personalrat unterstützen und helfen, Lösungen zu finden.  

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Gesetzliche Regelungen

Psychische Belastungen sind seit 2013 ausdrücklich Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz, § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG. Arbeitgeber müssen die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten beurteilen und dabei auch mögliche psychische Belastungen berücksichtigen. Werden Gefährdungen festgestellt, müssen geeignete Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten ergriffen werden.  

Hierbei hat auch der Betriebsrat Mitbestimmungsrechte und kann Initiativen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen nach vorne bringen. Diese Rechte beziehen sich auch auf die Abstände, in denen Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt werden, welche Erhebungsverfahren eingesetzt werden und wie die Auswertung erfolgt. Wenn der Betriebsrat konkrete Probleme erkennt, wenn zum Beispiel durch die Art der Führung Beschäftigte psychisch beeinträchtigt werden, so kann er dies explizit thematisieren. Wichtig ist dabei, dass der Prozess zu einem gemeinsamen Prozess zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber wird, damit alle Perspektiven in die Gefährdungsbeurteilung einfließen.  

Was können Arbeitgeber tun?

In vielen Betrieben bleibt psychische Gesundheit ein Tabuthema. Ein offener Umgang hilft dabei, Anzeichen für psychische Probleme frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Deshalb liegt die Verantwortung sowohl bei den Beschäftigten als auch – vor allem bei arbeitsbedingten Belastungen – beim Arbeitgeber.

Über die gesetzlichen Pflichten hinaus bieten viele Arbeitgeber freiwillige Angebote zur Reduzierung psychischer Belastungen an. Häufig können diese auch durch Leistungen der Krankenkasse unterstützt werden. Dazu zählen zum Beispiel Kurse zur Stressbewältigung und Entspannungsmethoden, Angebote zur Bewegungsförderung und Maßnahmen gegen Mobbing.

Welche Rolle spielen Führungskräfte?

Auch für Führungskräfte sollten Schulungen zum Umgang mit psychischen Belastungen angeboten werden, denn diese haben eine besondere Verantwortung: Sie prägen das Arbeitsklima und können durch eine mitarbeiterorientierte und wertschätzende Führung das Wohlbefinden der Beschäftigten verbessern und Vertrauen stärken. Dabei ist es besonders wichtig, Probleme im Team frühzeitig zu erkennen und gemeinsame Lösungen zu finden. Dies gelingt durch offene Kommunikation auf Augenhöhe. Führungskräfte können zudem als gutes Vorbild vorausgehen, indem sie eine gute Balance zwischen Arbeit und Erholung vorleben und selbst Schulungen und Weiterbildungsmöglichkeiten wahrnehmen.  

Was können Beschäftigte selbst tun?

Auch wenn sich psychische Belastungen nicht allein durch individuelle Stressbewältigung reduzieren lassen, können Beschäftigte ihre psychische Gesundheit im Alltag selbst stärken: Gesunde Gewohnheiten, wie regelmäßige Pausen und Entspannungsmethoden, helfen zur Stressreduktion. Auch Bewegung, etwa ein kleiner Spaziergang in der Mittagspause sowie gesunde Ernährung, können große Unterschiede im Wohlbefinden bewirken. Zudem sollte ausreichender Schlaf und die Pflege sozialer Kontakte priorisiert werden. Schon diese kleinen Maßnahmen können eine spürbare Verbesserung bedeuten und sollten daher ernstgenommen werden.  

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Autorin des Artikels

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Eva Seip

Eva Seip studiert Sprach- und Medienwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und arbeitet als Werkstudentin in der AiB-Redaktion. Ihr Interesse gilt vor allem Themen an der Schnittstelle von Kommunikation, Sprache und gesellschaftlichem Wandel.

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