Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung weist darauf hin, dass das häufige, längere Unterbrechen von Arbeitstagen, die sogenannte Fragmentierung, dafür sorgt, dass im Schnitt mehr Überstunden anfallen. Das scheint gegen die These der Arbeitgeberseite zu sprechen, mehr Flexibilität sei zum Wohle der Beschäftigten. Stimmt das? Und wie genau verhält es sich mit der Fragmentierung? Fragen an Dr. Yvonne Lott, WSI-Wissenschaftlerin und Autorin einer aktuellen Studie zum Thema.
aib-web.de: Frau Dr. Lott, ist Fragmentierung eine Flexibilität mit Risiko?
Dr. Yvonne Lott: Fragmentierung ist häufig eine Lösung für ein Vereinbarkeitsproblem. Aufgrund von außerberuflichen Verpflichtungen unterbrechen Beschäftigte ihre Erwerbsarbeit, zum Beispiel für Kinderbetreuung oder für die Pflege von Angehörigen, und arbeiten dann am Abend weiter.
Bis jetzt noch kein Nachteil.
Dr. Yvonne Lott: Nein! Es ist erst einmal ein Vorteil, wenn Beschäftigte diese Flexibilität haben. Allerdings zeigen unsere Analysen, dass die Beschäftigten sich dann eher kürzere Arbeitszeiten wünschen, was auf Belastung durch die Fragmentierung hindeutet. Kurzfristig kann Fragmentierung eine Lösung für ein Vereinbarkeitsproblem sein, aber gerade auf Dauer ist die Weiterarbeit am Abend mit gesundheitlichen Problemen verbunden.
Weshalb?
Dr. Yvonne Lott: Die Erholung von der Arbeit kommt zu kurz. Zudem ist Kinderbetreuung, Hausarbeit oder die Pflege von Angehörigen, die dann zwischendrin stattfindet, ja auch Arbeit und keine Erholungszeit. Arbeit am Abend fällt zudem in soziale Zeiten, die sonst mit Familie oder Freunden verbracht werden könnte.
Durch das Weiterarbeiten am Abend fallen im Schnitt mehr Überstunden an – was sind die Gründe dafür?
Dr. Yvonne Lott: Wir gehen eher von einer Entgrenzung der Arbeit aus, die zu den Überstunden führt. Dafür spricht auch, dass sich die Beschäftigten trotz der zusätzlichen Stunden kürzere Arbeitszeiten wünschen. Zu Hause am Abend fehlen häufig die Signale, die im Büro für ein Ende der Arbeit sorgen – etwa Kolleginnen und Kollegen, die Feierabend machen, oder feste Termine wie ein Sportkurs oder familiäre Verpflichtungen, die einen zu einer bestimmten Uhrzeit zwingen, den Rechner runterzufahren. Diese sozialen Grenzen fallen im Homeoffice am Abend oft weg, sodass sich die Arbeitszeit leichter ausdehnt.