Warum brauchen wir eine Verringerung der Arbeitszeit?
Unsere Gesellschaft baut darauf auf, dass ein Elternteil als Ernährer der Familie das Geld verdient und der andere Part, meist die Frau, sich um alles andere kümmert und vielleicht noch in Teilzeit arbeitet. Dieses Modell geht heute an der Lebensrealität der Familien vorbei. Und die Frage ist doch: Wie soll es funktionieren, dass beide Elternteile Vollzeit, also 40 Stunden in der Woche, arbeiten? Ein kürzerer Vollzeitstandard könnte dazu beitragen, bezahlte und unbezahlte Arbeit gerechter zwischen den Geschlechtern zu verteilen und auch Probleme wie die Altersarmut unter Frauen zu verringern.
Deutschland liegt bei der Wochenarbeitszeit von Frauen auf dem vorletzten Platz der EU, bei der Erwerbstätigenquote aber unter den ersten fünf. Was sagt die Arbeitszeit allein aus?
Wenig. Länder mit sehr langen Arbeitszeiten von Frauen haben oft eine niedrige Erwerbstätigenquote. In Rumänien arbeiten Frauen im Schnitt 39,8 Stunden, aber nur 54,9 Prozent sind erwerbstätig. In den Niederlanden sind es nur 28,7 Stunden, dafür sind 75,2 Prozent erwerbstätig. Deshalb lohnt sich zusätzlich der Blick auf das Arbeitsvolumen pro Kopf, also Erwerbstätigenquote mal Arbeitszeit, die beide Kennziffern verbindet. Auch da liegt der Wert bei den Frauen in Deutschland unter dem EU-Durchschnitt von 24,7 Stunden.