Wachstum & Konjunktur

Wissenschaftliche Analyse: So teuer sind Feiertage

Könnte eine Streichung von Feiertagen die Wirtschaft ankurbeln? Politiker und Wirtschaftsverbände behaupten das immer wieder. Einer Untersuchung zufolge wäre der wirtschaftliche Effekt jedoch geringer als erwartet.

Gesetzliche Feiertage bremsen die Wirtschaftsleistung in Deutschland. Allerdings offenbar weniger stark als vermutet. Eine neue Studie des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) zeigt unter dem Titel „Holy Days, Lost Days?“ einen messbaren, aber begrenzten Effekt. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr liegen die wirtschaftlichen Einbußen durch einen zusätzlichen Feiertag bei maximal 0,28 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Wie groß der Effekt tatsächlich ist, hängt von der Branche und davon ab, auf welchen Wochentag der Feiertag fällt. So nimmt die Studie neben der Gesamtwirtschaft das verarbeitende Gewerbe als Einzelfall in den Blick. Dort unterscheidet sich die Wirkung von Feiertagen an Werktagen deutlich von der sogenannter „Sonntagsfeiertage“. In Monaten, in denen ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, liegen die Umsätze je Beschäftigten im Schnitt rund drei Prozent höher als in Monaten, in denen derselbe Feiertag auf einen Werktag fällt. Auch bei der Arbeitszeit zeigt sich ein Unterschied: Wenn der Feiertag auf einen Sonntag statt auf einen Werktag fällt, werden durchschnittlich rund 2,5 Prozent mehr Arbeitsstunden geleistet. 

Unternehmen holen einen Teil der Arbeit nach

Der wirtschaftliche Effekt eines Feiertags fällt allerdings offenbar geringer aus, als eine reine Rechnung mit einem verlorenen Arbeitstag nahelegen würde.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Wegfall eines Arbeitstags die Wirtschaftsleistung messbar senkt; aber auch, dass Unternehmen einen Teil der Produktion durch Überstunden und Anpassungen nachholen. Der tatsächliche Effekt dürfte damit etwas moderater ausfallen, als einfache Hochrechnungen nahelegen“, sagt Studienautor Dr. Eduard Brüll, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“.  Feiertage seien damit zwar nicht kostenlos, ihre ökonomischen Folgen blieben jedoch überschaubar und ließen Raum für gesellschaftliche Abwägungen, erklärt der Ökonom. 

Wie viel kostet ein zusätzlicher Feiertag das BIP?

Um die Bedeutung von Feiertagen für die deutsche Wirtschaft im Ganzen einzuordnen, simuliert die Studie die möglichen Effekte eines zusätzlichen Arbeitstages: Würde in allen Wirtschaftsbereichen gleichermaßen einen Tag mehr gearbeitet, stiege das BIP um rund 0,28 Prozent. Betrachtet man dagegen nur das verarbeitende Gewerbe, fällt der Effekt naturgemäß deutlich geringer aus: Das BIP würde um etwa 0,06 Prozent zulegen.

Der tatsächliche gesamtwirtschaftliche Effekt dürfte zwischen diesen Szenarien liegen. Denn faktisch wirken sich Feiertage je nach Wirtschaftsbereich unterschiedlich aus. Während Unternehmen im produzierenden Gewerbe und in anderen Bereichen durch einen zusätzlichen arbeitsfreien Tag unmittelbar eingeschränkt werden, können Feiertage in manchen Dienstleistungsbranchen wie dem Gastgewerbe den Konsum erhöhen.  

Deshalb lässt sich der im verarbeitenden Gewerbe beobachtete Effekt nicht eins zu eins auf die gesamte deutsche Wirtschaft übertragen.

Das Beschäftigungsverbot an Sonn- und Feiertagen

Daten aus allen 16 Bundesländern

Die Untersuchung von Dr. Eduard Brüll basiert auf Daten der Kostenstrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes. Berücksichtigt werden alle 16 Bundesländer für den Zeitraum von 2005 bis 2019. Die Erhebung liefert Daten auf Unternehmensebene zu Umsatz, Beschäftigung und Arbeitszeiten. Diese Daten wurden auf Ebene von Bundesland und Monat aggregiert. 

Langfristige Vorteile nicht mitgemessen

Abschließend betont der Studienautor, dass es nicht der richtige Schluss wäre, Feiertage aufgrund seiner Studie abzuschaffen. Zum einen untersuche seine Analyse ausschließlich kurzfristige Produktionseffekte, zum anderen blieben mögliche langfristige Vorteile von Ruhetagen – etwa für Gesundheit, Wohlbefinden und Familienleben – unberücksichtigt. 

Quelle

Unter dem Titel „Holy Days, Lost Days?“ untersucht das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) die Auswirkungen von Feiertagen auf das BIP. 

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