Studie

Mindestlohn und Grundsicherung: Wer arbeitet, hat deutlich mehr Geld

Eine WSI-Studie vergleicht Mindestlohn und Grundsicherung in allen 401 Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands. Das Ergebnis: Vollzeitbeschäftigte verfügen in allen Regionen über mehr Geld. Wie groß der Einkommensabstand ausfällt, hängt vor allem von den Wohnkosten und der Familienkonstellation ab.

Wer Vollzeit zum gesetzlichen Mindestlohn arbeitet, hat finanziell mehr zur Verfügung als vergleichbare Haushalte in der Grundsicherung. Das zeigt eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Untersuchung erfasst alle 401 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands.

Mindestlohn: So viel mehr bleibt

Eine alleinstehende Person, die durchschnittlich 38,19 Stunden pro Woche zum Mindestlohn arbeitet, verfügt laut Modellrechnung bundesweit über rund 1.653 Euro im Monat. Bei Grundsicherungsbezug sind es rund 1.030 Euro. Der Einkommensvorsprung beträgt damit 623 Euro.

Auch Familien stehen im untersuchten Vergleich finanziell besser da: Alleinerziehende mit einem fünfjährigen Kind haben bei Vollzeitarbeit durchschnittlich 757 Euro mehr zur Verfügung. Bei einer Paarfamilie mit zwei Kindern und einem vollzeitbeschäftigten Elternteil beträgt der Abstand 749 Euro. Mit der Kinderzahl wächst der Einkommensvorsprung tendenziell.

Der Streit um das Bürgergeld war ein eindrückliches Beispiel dafür, wie Sozialdebatten nicht geführt werden sollten: Vielfach wogen Vorurteile schwerer als Fakten.

Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI

Wohnkosten prägen regionale Unterschiede

Besonders groß ist der Abstand im Landkreis Nordhausen mit rund 755 Euro für Alleinstehende. Am geringsten fällt er im Landkreis München mit rund 404 Euro aus. Auch in Frankfurt am Main (515 Euro), Hamburg (521 Euro), Köln (523 Euro) und Stuttgart (524 Euro) liegt er unter dem Bundesdurchschnitt. Ausschlaggebend sind vor allem die regional anerkannten Unterkunftskosten.

In Ostdeutschland einschließlich Berlin ist der Abstand bei Alleinstehenden mit durchschnittlich 664 Euro größer als im Westen mit 609 Euro.

In Regionen, in denen der finanzielle Abstand zwischen Mindestlohnbeschäftigung und Grundsicherung geringer ist, liegt das an sehr hohen Mieten.

Prof. Dr. Bettina Kohlrausch

WSI warnt vor Sozialkürzungen

Gegenüber 2025 hat sich der Einkommensabstand leicht vergrößert. Grund dafür ist laut WSI, dass die Regelsätze der Grundsicherung 2026 unverändert blieben, während der Mindestlohn stieg. WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch betont zugleich, dass Vollzeitbeschäftigung zum Mindestlohn relativ selten sei und die meisten Vollzeitbeschäftigten mehr verdienten.

Zudem warnt die Soziologin vor geplanten Einschnitten beim Wohngeld und Unterhaltsvorschuss, diese könnten den Einkommensvorsprung von Erwerbstätigen insbesondere bei Familien verringern. Statt Menschen mit niedrigen Löhnen und Grundsicherungsbeziehende gegeneinander auszuspielen, müsse die Politik soziale Infrastruktur stärken, erklärt die Direktorin des WSI.

Quelle

Auch wer zum Mindestlohn arbeitet, hat ein deutlich höheres verfügbares Einkommen als vergleichbare Personen, die Grundsicherung beziehen, das geht aus einer aktuellen Studie  „Lohnt sich Arbeit in Deutschland auch 2026 noch?“ des WSI hervor. 

 

Zur interaktiven Karte „Lohnabstand und verfügbare Einkommen“.

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