Einstellung

Mehrsprachlichkeit im Beruf: Welche Sprachen bei Arbeitgebern punkten

Sprachliche Vielfalt ist ein grundlegender Bestandteil der europaweiten Verständigung. Wie wichtig Sprachkenntnisse darüber hinaus für den deutschen Arbeitsmarkt sind, zeigt eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung.  

Am 26. September findet alljährlich der Europäische Tag der Sprachen statt. Er soll Menschen jeden Alters dazu motivieren, Sprachen zu lernen und neue Sprachen zu entdecken – sowohl im Rahmen der regulären Schulbildung als auch darüber hinaus. Der Aktionstag wurde auf gemeinsame Initiative des Europarats und der Europäischen Kommission ins Leben gerufen und unterstreicht die Bedeutung sprachlicher Vielfalt für den europäischen Zusammenhalt. 

Studie zu Sprachkenntnissen im Job

Doch welche Rolle spielen Sprachkenntnisse auf dem deutschen Arbeitsmarkt? Eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) auf Basis des Jobmonitors der Bertelsmann Stiftung gibt Aufschluss darüber, welche Sprachen Arbeitgeber in Stellenanzeigen für den akademischen Arbeitsmarkt voraussetzen. Dafür analysierte das CHE die deutschlandweit erfassten Online-Stellenanzeigen des Jobmonitors. Untersucht wurden Stellen, die sich an Bewerber*innen mit Bachelor- oder Masterabschluss beziehungsweise Promotion richten. Allein im Jahr 2025 wurden dafür rund 1,6 Millionen Stellenanzeigen ausgewertet.

In vielen Berufsfeldern zählen Sprachkenntnisse inzwischen zum Anforderungsprofil: In fast jeder zweiten untersuchten Stellenanzeige, (47,5 Prozent) werden Sprachkenntnisse ausdrücklich genannt. Am häufigsten gefragt waren 2025 Deutsch mit 39,9 Prozent und Englisch mit 35,7 Prozent. Auch die Kombination aus beiden Sprachen setzten Arbeitgeber in rund 28 Prozent der Stellen voraus. Dies unterscheidet akademisch geprägte Tätigkeiten vom beruflich qualifizierten Stellen: In rund 30 Prozent der Stellenanzeigen für beruflich qualifizierte Stellen wurden Sprachkenntnisse als Einstellungskriterium angegeben.  

Andere Fremdsprachen sind auf dem akademischen Arbeitsmarkt deutlich seltener gefragt: In weniger als einem Prozent der Stellenanzeigen wurden weitere Sprachkenntnisse vorausgesetzt. Studienautor Nicolas Reum betont allerdings, dass zusätzliche Sprachkenntnisse immer von Nutzen auf dem akademischen Arbeitsmarkt sind:  

In einzelnen Berufen oder Regionen können sie durchaus einen Vorteil bieten. So Bitte als Zitatelement einbindenwerden etwa Sprachen der Nachbarländer in Grenzregionen häufiger in Stellenbeschreibungen gewünscht.

Er führt weiter aus und erklärt, dass weitere Fremdsprachen eher als Zusatzqualifikation gelten und nicht als verbreitete Voraussetzung.  

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Deutsch bleibt sprachliche Voraussetzung

Im Zuge der Internationalisierung deutscher Hochschulen sind englischsprachige Studiengänge – vor allem auf Masterebene –zunehmend verbreitet. Dies führt dazu, dass sich immer mehr internationale Studierende in Deutschlands Hochschulen einschreiben. Allerdings reicht Englisch für den Übergang in den deutschen Arbeitsmarkt in vielen Fällen nicht aus: Stellenanzeigen mit rein Englischen Sprachvoraussetzungen waren im Jahr 2025 eine seltene Ausnahme.

Im Jahr 2019 sah dies noch anders aus: Nur rund 33 Prozent der Stellenanzeigen setzten Deutschkenntnisse voraus, während das Beherrschen der Englischen Sprache in fast 47 Prozent der Fälle gefordert wurde. Nach Einschätzung der Studienautoren bedeutet dies allerdings nicht zwangsläufig, dass Deutsch auf dem Arbeitsmarkt grundsätzlich wichtiger geworden ist. Vielmehr könnte die Sprache heute häufiger ausdrücklich in Stellenanzeigen genannt werden. Ein möglicher Grund dafür ist der wachsende Anteil internationaler Fachkräfte am deutschen Arbeitsmarkt. Wenn Bewerber*innen aus unterschiedlichen Ländern angesprochen werden, müssen Arbeitgeber offenbar häufiger konkret benennen, welche Deutschkenntnisse für eine Stelle erforderlich sind.  

Deutschkurse an Universitäten anzubieten bleibt also ein wichtiger Baustein, um den Übergang internationaler Studierender in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Dies betont auch Nicolas Reum: „Mit englischsprachigen Studiengängen gewinnen wir internationale Studierende – mit guten begleitenden Deutschangeboten erhöhen wir ihre Chancen, anschließend als Fachkräfte in Deutschland zu bleiben. Beides gehört zu einer erfolgreichen Internationalisierungsstrategie“.

Beruf, Region und Fach entscheiden über vorausgesetzte Sprachkenntnisse

Abhängig von Berufsfeld oder Studienfach kann es zu erheblichen Unterschieden bei den geforderten Sprachkenntnissen kommen: Im Bereich der Softwareentwicklung, Informatik, Marketing und Vertrieb und Einkauf werden Englischkenntnisse beispielsweise häufig verlangt. In sozialen und medizinischen Berufen spielt Englisch als Einstellungskriterium eine deutlich geringere Rolle. Genauso sind gute Englischkenntnisse im Maschinenbauwichtiger als im Bauingenieurswesen.  

Auch innerhalb Deutschlands kommt es regional bedingt zu unterschiedlichen Voraussetzungen: Die Studienautoren sprechen von einem Nord-Süd- sowie einem Ost-West-Gefälle. Besonders in den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg sowie in den westlichen Bundesländern Hessen und Nordrhein-Westfalen werden Englischkenntnisse vergleichsweise häufig als Voraussetzung genannt. Im nordöstlichen Brandenburg oder Sachsen-Anhalt ist dies seltener der Fall. Eine Ausnahme bilden die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen sowie Sachsen: Dort sind Englischkenntnisse vergleichsweise häufig als Anforderung in Stellenanzeigen zu finden.

Die Ergebnisse zeigen: Welche Sprachen auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind, hängt von sehr unterschiedlichen Kriterien ab. Auch wenn Deutsch und Englisch im akademischen Arbeitsmarkt die zentrale Rolle spielen, können weitere Sprachen insbesondere in bestimmten Branchen oder Grenzregionen neue Chancen eröffnen. 

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Autorin des Artikels

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Eva Seip

Eva Seip studiert Sprach- und Medienwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und arbeitet als Werkstudentin in der AiB-Redaktion. Ihr Interesse gilt vor allem Themen an der Schnittstelle von Kommunikation, Sprache und gesellschaftlichem Wandel.

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