Vereinbarkeit

Was hat der Kita-Ausbau den Müttern gebracht?

Das Betreuungsangebot für kleine Kinder ist seit den nuller Jahren gestiegen. In der Konsequenz arbeiten Mütter mehr und verdienen besser als früher, wie eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung verdeutlicht.

Der Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige erhöht die Erwerbstätigkeit von Müttern in Deutschland und verbessert ihre Einkommenssituation. Das ergibt sich aus einer Untersuchung, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf Basis der Sozialversicherungsdaten von Müttern angestellt hat. Demnach sind die geringeren Erwerbseinbußen von Müttern seit 2007 zu über der Hälfte (56 Prozent) auf das erweiterte Kinderbetreuungsangebot zurückzuführen. 

Das IAB hat für die Analyse die Erwerbsverläufe von Frauen untersucht, die zwischen 2001 und 2014 ihr erstes Kind bekamen und vor der Geburt erwerbstätig waren. Pro Geburtsjahrgang umfasst die Stichprobe rund 240.000 Mütter. Die Untersuchung nimmt die ersten sechs Lebensjahre der Kinder in den Blick.

Ein stärkeres und früheres Betreuungsangebot hilft Müttern, nach der Geburt schneller ins Berufsleben zurückzukehren und ihre Einkommensverluste zu begrenzen. Auch deshalb trat in Deutschland 2005 das Tagesbetreuungsausbaugesetz in Kraft und wurde 2013 der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz eingeführt. In der Folge der Reformen stieg die Betreuungsquote von Kindern erheblich. Junge Eltern und speziell Mütter konnten Familien- und Berufsleben besser miteinander vereinbaren. So nahm die Erwerbstätigkeit von Müttern infolge des Ausbaus speziell während der typischen Kita-Jahre signifikant zu.  

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Mütter verdienen langfristig besser

Besonders groß waren die Effekte des Kita-Ausbaus demnach dort, wo das Betreuungsangebot zuvor niedrig und das klassische Rollenmodell zwischen den Eltern verbreitet war. Logisch: Wo viele Mütter nach der Geburt schon mangels Kitaplätzen weniger arbeiteten und folglich überdurchschnittlich große Einkommenseinbußen erlitten, bewirkte der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur besonders viel. Das gilt vor allem für Regionen im Westen der Republik.

Wichtig: Während der Ausbau der Kinderbetreuung die berufliche Aktivität speziell in den ersten drei Lebensjahren des Kindes steigert, ist der Effekt aufs Einkommen nachhaltiger. „Die frühkindliche Betreuung beeinflusst die weitere Karriereentwicklung von Müttern dauerhaft. So arbeiten Frauen langfristig häufiger in Vollzeit und weniger in geringfügiger Beschäftigung wie Minijobs“, sagt IAB-Forscherin Lisa-Marie Duletzki. Wer kürzer aus dem Beruf aussteigt, hat bessere Chancen, auf höherem finanziellen Niveau wieder einzusteigen.

Das ist auch für die Zukunft wichtig. Angesichts von immer noch fehlenden rund 300.000 Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren bietet ein weiterer Ausbau laut IAB „erhebliches Potenzial“, die Erwerbs- und Einkommenseinbußen von Müttern zu verringern – und ihnen so die Entscheidung zu erleichtern, weitere Kinder zu bekommen. 

Quelle

Untersuchung des IAB: 

https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-15.pdf

Autorin des Artikels

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Eva Seip

Eva Seip studiert Sprach- und Medienwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und arbeitet als Werkstudentin in der AiB-Redaktion. Ihr Interesse gilt vor allem Themen an der Schnittstelle von Kommunikation, Sprache und gesellschaftlichem Wandel.

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