Rentendebatte

IW hält Armutsrisiko im Alter für überschätzt

Gemessen am Einkommen gelten rund 18 % der Altersrenter*innen hierzulande als armutsgefährdet. Eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft stellt diese Zahl und ihre Berechnungsgrundlage infrage. 

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Das Armutsrisiko im Alter fällt um 38 % niedriger aus, wenn bei der Berechnung der finanziellen Situation von Haushalten neben dem Einkommen auch bestehendes Vermögen berücksichtigt würde. So ergibt es sich zumindest aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW).

Gemäß Studie sind bei alleiniger Betrachtung der Einkommen 17,8 % der Haushalte, in denen die hauptverdienende Person eine gesetzliche Altersrente bezieht, armutsgefährdet. Laut IW verzerrt diese gängige Art der Berechnung die finanzielle Realität in den Haushalten, da sie deren Vermögen ausblende. Beziehe man die Vermöge ein, sinke die Gefährdungsquote bei Altersrentner*innen auf 11 %. 

Die Studie des IW stützt sich auf Mikrodaten der Deutschen Bundesbank, die die Einkommens- und Vermögenssituation von rund 4000 Haushalten im Jahr 2023 abbilden. Demnach macht der Einbezug des Vermögens vor allem in Haushalten mit älteren Hauptverdiener*innen einen Unterschied. In der Gesamtbevölkerung sinkt das Armutsrisiko bei Berücksichtigung des jeweiligen Haushaltsvermögens um lediglich zwei Prozentpunkte: von 15,4 % auf 13,4 %.

Und während IW-Rentenexperte Jochen Pimpertz anhand der Studienergebnisse sagt, „wir führen die Rentendebatte auf der Basis nicht überzeugender Befunde“, kann man das durchaus anders sehen. So betont die Gewerkschaft ver.di in einer aktuellen Stellungnahme zur Rentenreformdebatte: „Private Vorsorge können sich viele einfach nicht leisten“. Wer wenig verdiene, könne auch nur wenig zur Seite legen. Der Aufbau eigenen Vermögens, so ließe sich in langfristiger Perspektive ergänzen, könnte den Erwerbstätigen von heute angesichts der Preissteigerungen der letzten Jahre erst recht schwerfallen. 

Ein weiteres Problem besteht laut ver.di darin, dass private Vorsorge auf Leistungen wie die Grundsicherung im Alter oder die Grundrente angerechnet wird. „Das ist doppelt ungerecht und schafft keinen Anreiz, privat vorzusorgen.“ Die beste Vorsorge gegen Altersarmut sei letztlich eine faire Bezahlung, schlussfolgert die Gewerkschaft. Denn „gute Arbeit und gute Löhne führen zu guten Renten“. (red)

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