Mobile Arbeit

Wenn Wirklichkeit auf Wunschvorstellung trifft

Wer häufig im Homeoffice arbeiten darf und das auch möchte, ist in der Regel zufriedener. Besteht diese Möglichkeit nicht, kann sich das sogar auf die Gesundheit auswirken. 

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat anhand der Daten des WSI-Erwerbspersonenpanels die Homeoffice-Nutzung und -akzeptanz in Deutschland untersucht. 

Eine Erkenntnis der Auswertung: Hybride Modelle mit Wechseln zwischen Homeoffice und Arbeit im Betrieb sorgt für die größte Zufriedenheit bei den Beschäftigten – rund zwei Drittel der Befragten machen diese Angabe. Die Auswertung zeigt auch: Klaffen die eigenen Bedürfnisse und der betriebliche Arbeitsalltag auseinander, kommt es häufiger zu beruflicher Belastung und gesundheitlichen Problemen.

Um den aktuellen Stand der mobilen Arbeit in Deutschland zu erfassen, hat das WSI Ergebnisse der Befragungen von abhängig Beschäftigten aus dem November 2024 und 2025 analysiert. 64,5 Prozent der Befragten haben ausschließlich im Betrieb oder maximal zu einem Zehntel zu Hause gearbeitet. Unter den Akademikerinnen und Akademikern haben etwas mehr als ein Drittel die Angabe gemacht, ausschließlich oder ganz überwiegend im Betrieb zu arbeiten. Die Homeoffice-Quote ist hier also etwa doppelt so hoch wie der Durchschnittswert. 

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Andere Branche, andere Möglichkeiten

Besonders viel Homeoffice gibt es in den Branchen Energieversorgung, Medien, Finanzen und öffentliche Verwaltung. In den Bereichen Bau, Erziehung, Gastgewerbe, Gesundheit, Handel, Verkehr und Logistik ist Homeoffice dagegen weniger verbreitet, was vor allem mit der Ausgestaltung der jeweiligen Jobs in den Branchen zusammenhängt. 

Die WSI-Zahlen lassen auch Rückschlüsse auf die Zufriedenheit und die Auswirkungen der Home-Office-Anteile zu: Nur ein zehnter der Befragten, deren Tätigkeit sich für Arbeitstage im Homeoffice eignet, möchte den Anteil reduzieren. Etwas mehr als ein Drittel würde dagegen gerne häufiger von zu Hause aus arbeiten. Insgesamt möchte ein Viertel den Anteil der Zeit im Homeoffice um 30 Prozentpunkte oder mehr erhöhen. Etwa jede*r Dritte ist weitgehend zufrieden. 

Unzufriedenheit stellt sich der WSI-Mitteilung zufolge insbesondere dann ein, wenn der Home-Office-Wunsch und die Arbeitsrealität nicht deckungsgleich sind. Von den Beschäftigten, deren Homeoffice-Präferenzen um 20 Stunden oder mehr von der tatsächlichen Regelung abweichen, klagen 18 Prozent über eine hohe Arbeitsbelastung und 28 Prozent über einen schlechten Gesundheitszustand. Bei denjenigen, die keinen Änderungsbedarf in Sachen Homeoffice haben, sind es nur sechs beziehungsweise 14 Prozent. 

Die neue Studie unterstreicht: Das Potenzial, im Homeoffice zu arbeiten, ist noch nicht ausgeschöpft. Gerade für Frauen, die im Durchschnitt immer noch den ganz überwiegenden Teil der Sorgearbeit erledigen, also etwa Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder Arbeit im Haushalt, ermöglicht das Homeoffice Flexibilität bei der Vereinbarkeit, weil beispielsweise Zeit für Pendelwege gespart wird.

Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI

Tipp der Redaktion

Spannende Erkenntnisse und rechtliche Einordnungen zum Homeoffice liefert auch der Beitrag „Zwischen ich und wir: Wie flexibel soll Arbeit sein?“

Quelle

Pressemitteilung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung vom 29.7.2026

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