Entgeltgleichheit und Transparenz

Stellenausschreibung als Chance nutzen

Wer sein Gehalt aufpeppen möchte, zieht zur Argumentation häufig externe Stellenangebote heran. Frauen sind dabei zurückhaltender als Männer. 

„Unter Beschäftigten am selben Arbeitsplatz und in derselben Tätigkeit verdienen Männer im Durchschnitt acht Prozent mehr als Frauen, selbst in Schweden“, sagt RFBerlin-Forscher Dogan Gülümser, der die geschlechtsspezifischen Herangehensweisen an Gehaltsverhandlungen untersucht hat. Unterschiedliches Vorgehen sei ein wesentlicher Faktor dafür, dass Männer in vergleichbaren Jobs mehr verdienen als Frauen. „Wir schätzen, dass Nachverhandlungen etwa die Hälfte des geschlechtsspezifischen Lohngefälles ausmachen."

Die Forscher haben die Aktivitäten von Beschäftigten untersucht, deren Verwandten einen Jobwechsel vollzogen haben. Frauen nutzen die so erworbenen Informationen über verfügbare Stellen und die Gehälter seltener als Verhandlungsbasis bei ihrem eigenen Arbeitgeber. Während die Löhne von Männern in ihren aktuellen Jobs steigen, sind bei Frauen in derselben Situation keine vergleichbaren Lohnzuwächse messbar – obwohl Frauen genauso häufig wie Männer den Arbeitgeber wechseln

„Frauen scheinen auf externe Möglichkeiten mit einem Jobwechsel zu reagieren, anstatt sie zu nutzen, um mit ihrem aktuellen Arbeitgeber höhere Löhne auszuhandeln“, sagt Gülümser. „Männer hingegen erzielen eher Lohnerhöhungen, ohne ihren Arbeitgeber zu verlassen.“

Weniger Verhandlungsspielraum bei tarifgebundenen Beschäftigten

Die Studie zeigt, dass sich die Effekte auf Arbeitsplätze konzentrieren, bei denen die Löhne individuell ausgehandelt werden können. Bei Beschäftigten im Geltungsbereich von Tarifverträgen profitierten weder Männer noch Frauen von Gehaltserhöhungen infolge externer Stellenangebote, was auf den fehlenden Verhandlungsspielraum zurückzuführen sei, heißt es in einer Mitteilung der Rockwool Foundation Berlin. 

Die Studie lege zudem nahe, dass Transparenz allein geschlechtsspezifische Lohnunterschiede möglicherweise nicht beseitigen könne. „Die Erhöhung der Lohntransparenz ist ein wichtiger Schritt“, sagt Gülümser. „Unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass politische Maßnahmen, die Frauen dazu ermutigen, aktiver über Löhne zu verhandeln, und die Unternehmen dabei unterstützen, sicherzustellen, dass die Praktiken der Lohnfestlegung einheitlich auf alle Beschäftigten angewendet werden, ebenfalls notwendig sein könnten, um geschlechtsspezifische Lohnunterschiede zu verringern.“

Lesetipps der Redaktion

Unser Kolumnist Professor Wolfgang Däubler hat der Bundesregierung auf die Finger geschaut und sich mit dem Fristversäumnis bei der Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie befasst. 

Lesenswert ist außerdem der Beitrag zur Entgelttransparenz „Mehr Klarheit beim Lohn“ von Klaus-Dieter Franzen in AiB 6/2026. Für die Online-Ausgabe registrierte Abonnentinnen und Abonnenten greifen im Archiv kostenfrei auf alle Beiträge, Ausgaben und das ePaper zu.

Quelle

Pressemitteilung der Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin) vom 20.7.2026

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