Unternehmen kritisieren Teilkrankschreibung
Künftig sollen sich Beschäftigte in Deutschland auch teilweise krankmelden können. In Unternehmen wird dies kritisch gesehen: Fast die Hälfte unterstützt die geplante Regelung nicht.
Künftig sollen sich Beschäftigte in Deutschland auch teilweise krankmelden können. In Unternehmen wird dies kritisch gesehen: Fast die Hälfte unterstützt die geplante Regelung nicht.

Die Teilkrankschreibung macht es für Arbeitnehmer*innen möglich, bei einer länger andauernden Krankheit in reduziertem Maß wieder in die Arbeit einzusteigen. Eine teilweise Arbeitsunfähigkeit muss vom Arzt festgestellt werden, danach können Beschäftigte in Abstimmung mit dem Arbeitgeber ihre Arbeitszeiten anpassen, so die Pläne der Bundesregierung für eine Neuregelung, die ab 2027 gelten soll.
Diese Pläne stoßen nicht nur bei den Gewerkschaften auf Ablehnung, auch Wirtschaftsvertreter*innen sind skeptisch, wie eine aktuelle ifo-Umfrage zeigt: Rund die Hälfte der befragten Unternehmen halten die Teilkrankschreibung für nicht sinnvoll. Die andere Hälfte teilt sich zu gleichen Teilen mit jeweils 25 Prozent in zwei Gruppen: Eine Gruppe findet die Einführung hilfreich, während der zweite Teil der Änderung neutral gegenübersteht. Die Gründe für die Kritik erklärt ifo-Forscher Jonas Hennrich: „Die meisten Unternehmen befürchten eine schwierige Abgrenzung zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig. Außerdem erwarten sie einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand." 76 Prozent geben an, dass die Unterscheidung zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig schwierig sein könnte.
Für wie sinnvoll Unternehmen die Teilkrankschreibung erachten, hängt auch vom Arbeitsbereich der Betroffenen ab: Die höchsten Werte erreicht die Administration mit 55 Prozent. Währenddessen halten viele das Instrument in der Logistik mit elf und in der Produktion mit acht Prozent für weniger gut geeignet.
50 Prozent der Unternehmen geht von keinen spürbaren positiven Auswirkungen durch die Änderung der Krankschreibung aus. Je ein Drittel der Unternehmen erhofft sich kürzere Fehlzeiten und eine schnellere Rückkehr von Erkrankten.
Auf Anfrage der Redaktion von aib-web.de bewertet auch DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel die Regelung kritisch: „Wer krank ist, muss sich auskurieren können. Deshalb lehnt der DGB Teilkrankschreibungen ab: Der Druck auf Beschäftigte, trotz Erkrankung zu arbeiten, würde weiter zunehmen und das Problem des Präsentismus, also krank am Arbeitsplatz zu erscheinen, verschärfen. Fraglich ist auch, wie freiwillig sich jemand überhaupt für eine Teilkrankschreibung entscheiden kann, wenn wirtschaftliche Zwänge und Vorgesetzte für enormen Druck sorgen.“
Fast 40 Prozent der befragten Unternehmen verzeichnet in den letzten zwölf Monaten einen Anstieg der Arbeitsbelastung, während diese in lediglich 21 Prozenteine rückläufige Entwicklung zeigt. Außerdem berichtet mehr als die Hälfte der Unternehmen von steigendem Stress der Belegschaft und zunehmender mentaler Belastung. Gründe dafür sind hauptsächlich die unsichere wirtschaftliche Lage (49 Prozent) und Veränderungsprozesse im Unternehmen (45 Prozent).
Auch hierzu findet DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel klare Worte: „Wer wirklich weniger Fehlzeiten und mehr Produktivität will, stärkt betriebliche Gesundheitsförderung und sorgt für wirksamen Arbeitsschutz und gute Arbeitsbedingungen. Das macht es mehr Beschäftigten möglich, gesund bis zur Rente zu arbeiten." Zusätzlich kritisiert sie rechtliche und praktische Aspekte, wie Datenschutz oder Haftungsfragen, die bezüglich der Teilkrankschreibung noch ungeklärt seien.
Mehr über das Reformpaket der Bundesregierung lest Ihr hier:
Was die Regierung plant, wie der DGB reagiert
„Manche werden sich mit Erkrankung zur Arbeit schleppen“
Pressemitteilung des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. vom 4.8.2026