Studie

Arbeitszeit in Deutschland: Trends, Teilzeit und Gesundheit im Fokus

Die Arbeitswelt in Deutschland verändert sich: Längere Teilzeit nimmt zu, während die Wochenarbeitszeit stabil bleibt. Aktuelle Studien zeigen, warum flexible Arbeitszeiten, Überstunden und ausreichende Erholung entscheidend für gesundes Arbeiten sind.

Aktuelle Entwicklungen im Überblick

Während die durchschnittliche individuelle Wochenarbeitszeit seit 2023 stabil bei 34,6 Stunden liegt, nimmt die längere Teilzeit weiter zu. Untersuchungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) haben die Entwicklungen der Arbeitszeiten in Deutschland sowie im internationalen Vergleich und die Auswirkungen auf die Beschäftigten untersucht. 

Längere Teilzeit, kürzere Vollzeit

Der aktuelle IAQ-Arbeitszeitmonitor für die Jahre 2012 bis 2024 zeigt: Teilzeitbeschäftigte arbeiteten 2024 durchschnittlich 22,4 Stunden pro Woche – 3,5 Stunden mehr als 2012. Gleichzeitig ging die durchschnittliche Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten langfristig zurück.

Auch die BAuA bestätigt diesen Trend. Demnach stieg die vertragliche Wochenarbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten im Untersuchungszeitraum zwischen 2015 und 2025 auf durchschnittlich 25,2  Stunden. Dabei nahm die längere Teilzeit mit 20 bis 34,9 Wochenstunden zu, während die Quote bei kurzer Teilzeit (Umfang von etwa 20  Stunden) zurückging. 

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Deutschland bei den Arbeitszeiten von Frauen auf vorletztem Platz

Dass die Arbeitszeiten von Frauen stärker von ihrer Lebensphase abhängen als die von Männern, zeigen die Zahlen des IAQ: Insbesondere Mütter haben ihre Erwerbsarbeitszeit erhöht, Frauen, deren jüngstes Kind weniger als sechs Jahre alt ist, arbeiteten durchschnittlich 2,6  Stunden länger als zu Beginn des Beobachtungszeitraums. Bei Müttern mit Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren betrug der Zuwachs 4,1 Stunden.

Insgesamt stieg die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Frauen zwischen 2012 und 2024 leicht auf 30,9  Stunden, während sie bei Männern auf 38 Stunden sank. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei den Arbeitszeiten von Frauen dennoch auf dem vorletzten Platz, bei der Frauenerwerbstätigenquote hingegen auf Rang fünf.

IAQ-Arbeitsforscherin Dr. Angelika Kümmerling sieht verlässliche Betreuungs- und Pflegeangebote, den Abbau steuerlicher Fehlanreize und mehr Flexibilität auf Arbeitgeberseite als wichtige Voraussetzungen für eine höhere Frauenerwerbstätigkeit. Auch bessere Möglichkeiten, die Arbeitszeit nach familienbedingter Reduzierung wieder auszuweiten, und ein kürzerer Vollzeitstandard könnten helfen, unbezahlte Arbeit gerechter zu verteilen.

Flexibilität allein reicht nicht aus

Die BAuA hat für ihren Bericht „Arbeitszeiten in Deutschland: Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2015–2025“ sechs Befragungswellen ausgewertet. Die tatsächliche Wochenarbeitszeit blieb seit 2015 weitgehend stabil. Dennoch sieht das Institut Herausforderungen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz: Fast jeder sechste Beschäftigte leistet mehr als zwei Überstunden pro Woche. Wer mehr als 48 Stunden wöchentlich arbeitet, ist häufiger mit verkürzten Ruhezeiten, ausfallenden Pausen und hoher Arbeitsintensität konfrontiert.

Auch atypische Arbeitszeiten sind verbreitet: 44 Prozent der Beschäftigten arbeiten zumindest teilweise am Wochenende oder überwiegend außerhalb des Zeitfensters von 7 bis 19 Uhr. Zwar nahmen die Möglichkeiten, flexibel zu arbeiten, bis 2023 zu. 2025 setzte sich dieser Trend jedoch nicht fort. Dabei zeigen sich Beschäftigte deutlich zufriedener mit ihrer Arbeitszeit und ihrer Work-Life-Balance, wenn sie Arbeitsbeginn, Arbeitsende und Pausen mitbestimmen können. 

Homeoffice und Erholung gewinnen an Bedeutung

Der Wunsch nach Homeoffice wächst: 2025 wünschten sich 56  Prozent der Beschäftigten ohne entsprechende Vereinbarung die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten. 2017 waren es noch 31 Prozent. Besonders häufig äußern Beschäftigte mit gesundheitlichen Beschwerden oder langen Pendelzeiten diesen Wunsch. Allerdings lässt sich Homeoffice nicht in allen Tätigkeitsbereichen umsetzen.

Beide Untersuchungen zeigen: Längere Teilzeit kann die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erleichtern. Überstunden, hohe Arbeitsintensität und fehlende Erholung können dagegen die Gesundheit belasten. Und: Mehr Flexibilität bedeutet nicht automatisch mehr Selbstbestimmung.

Sowohl das IAQ als auch die BAuA kommen zu dem Schluss, dass eine gesundheitsgerechte Arbeitszeitgestaltung verlässliche Pausen, ausreichende Ruhezeiten und echte Einflussmöglichkeiten brauche. Ebenso wichtig seien Rahmenbedingungen, die eine gleichberechtigte Erwerbsbeteiligung ermöglichen und Anpassungen der Arbeitszeit im Lebensverlauf unterstützten. 

Tipps der Redaktion

Wer häufig im Homeoffice arbeiten darf und das auch möchte, ist in der Regel zufriedener. Besteht diese Möglichkeit nicht, kann sich das sogar auf die Gesundheit auswirken.

Dieser Lesetipp geht der Frage nach: Zwischen ich und wir: Wie flexibel soll Arbeit sein?

Quelle

Der „Bericht Arbeitszeiten in Deutschland: Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2015–2025“ steht auf der BAuA-Website als PDF zum Download bereit.
 

Für den aktuellen IAQ-Arbeitszeitmonitor wurden die Angaben aller abhängig Beschäftigten in Deutschland und der Europäischen Union (EU) im Alter von 20 bis 65 Jahren ausgewertet.

Autorin des Artikels

Bettina Wolf Autorenbild

Bettina Wolf

Bettina Wolf ist seit September 2026 Teil des AIB-Teams. Als langjährige Print- und Online-Redakteurin für Magazine, Tageszeitungen und News-Portale hat sich die auf Familienthemen spezialisierte Journalistin schon früh mit Arbeitswelt und Mitbestimmung befasst – unter anderem als Betriebsrätin, wo sie die Themen der AIB aus erster Hand in der Praxis kennengelernt hat. Nach Stationen in Neuseeland, New York und Weinheim lebt sie heute wieder in Heidelberg. Wenn sie nicht gerade schreibt oder recherchiert, ist die zweifache Mutter und begeisterte Gen-Z-Kennerin auch als Vormund für unbegleitete geflüchtete Kinder und Jugendliche im Rhein-Neckar-Kreis im Einsatz.

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