Es gibt Untersuchungen, denen zufolge die AfD bei politischen Wahlen der vergangenen Jahre überdurchschnittlich viele Stimmen von Gewerkschaftsmitgliedern und vor allem von Arbeiter*innen bekommen hat. Wie lässt sich das erklären?
Tim Ackermann: Das ist wirklich erklärungsbedürftig. Insbesondere, weil die AfD in der Wirtschafts- und Sozialpolitik ein neoliberales, marktradikales Programm verfolgt, das abhängig Beschäftigten nichts anbietet und ihre wirtschaftliche und soziale Position sogar verschlechtern würde. Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung über das Abstimmungsverhalten der AfD-Fraktion im Bundestag von 2017 bis 2020 zeigt, dass sie fast immer gegen Anträge gestimmt hat, die einen Erhalt oder Ausbau sozialstaatlicher Leistungen forderten. Umgekehrt unterstützte sie fast immer Anträge, die den Sozialstaat einschränken sollten.
Im Übrigen darf man eines nicht vergessen: Zwar wählen viele Arbeiterinnen und Arbeiter die AfD, aber die AfD ist nicht so stark, weil hauptsächlich Arbeiterinnen und Arbeiter sie wählen. Nach einer Erhebung der Konrad-Adenauer-Stiftung lag der Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter an der Wählerschaft der AfD bei der Bundestagswahl 2025 bei 12 Prozent, obwohl die AfD mit 30 Prozent Stimmenanteil die stärkste Partei in dieser Berufsgruppe war. So viele Arbeiterinnen und Arbeiter gibt es ja auch gar nicht mehr.